Müdigkeit

März 9th, 2010

Als ich heute von der Arbeit nach hause kam empfand ich so etwas wie einsame Müdigkeit. Das ganz starke Gefühl von Resignation und Erschöpfung schwang da mit. Es war, als wäre die Luft aus mir herausgelassen worden.

Konkrete Gründe oder Anlässe kann ich nicht erkennen. Allerdings habe ich den Verdacht, dass ich nun langsam wieder in ruhigeres Fahrwasser komme, nach M.´s Umzug, dem Schreck mit dem gefälschten Personalausweis und einer sehr stressigen Arbeitsphase. Hatten mich diese Dinge in der letzten Zeit ausgefüllt, kommt nun wieder Leere auf, die sich auch als Müdigkeit manifestiert.

Dieses Gefühl einer zu Ende gehenden Anstrengungsphase mag nach diesem strengen Winter auch mit dem langsam aber sicher aufkommenden Frühling zu tun haben. Und der abnehmende Mond spielt sicher auch eine Rolle.

Der Film “Alice im Wunderland”

März 8th, 2010

Dass ich gestern in diesen Film (”Alice im Wunderland”) gegangen war, lag letztendlich nur an meiner eigenen Bequemlichkeit, C.´s Vorschlag abzulehnen und einen besseren zu machen. Das ist nämlich genau der Mechanismus, mit dem ich mich immer wieder dazu hinreißen lasse, Dinge zu tun, die ich im Grunde meines Herzens eigentlich gar nicht möchte. Bequemlichkeit ist da der Antrieb - aber auch Ratlosigkeit . Denn wer ratlos ist, ist anfällig für Ablenkungen und falsche Kompromisse.

Die Strafe folgte dann auf dem Fuße: Nachdem ich das Kino verlassen hatte, fühlte ich mich ausgesprochen geschwächt, müde und antriebslos. Diese ganze massive künstliche Stimulation der Gefühlsdrüse, verpackt in verwirrend bunte, verkünstelte Bilder, und begleitet von einer völlig hohlen, jeglichen Drang nach Klarheit verhöhnenden Geschichte, hatten mir wie mit einem Strohhalm die Energie aus dem Körper gesaugt.

Wenn ich mir überlege, dass es Menschen gibt, die sich pro Tag zwei oder gar drei derartige Filme antun, dann wundert es mich nicht, dass hierzulande kaum noch jemand fähig oder Willens ist, das, was real vor sich geht, zu durchschauen. Für mich selbst ist so eine Erkenntnis dann auch jedes Mal ein richtiger Schock, verbunden mit einem massiven Einsamkeitsgefühl. So auch gestern.

In der vergangenen Nacht träumte ich dann auch viel wirres und anstrengendes Zeug, welches stets von einer unheilvollen, katastrophalen Stimmung begleitet war.

06.03.10

März 7th, 2010

Es geht ein schneidend kalter Wind. Dennoch beeile ich mich nicht, nach hause zu kommen, sondern schiebe das Fahrrad neben mir her. Handschuhe trage ich auch keine, obwohl ich könnte, und das Metall des Rades fühlt sich kalt an. Was, wie mir meine Verstand sagt, ich sonst als unbequem und gar schmerzhaft empfinde, kommt mir in diesem Moment schlichtweg unwichtig vor.

Was dagegen wichtig ist, ist dieses ausufernde Gefühl von Weite und Freiheit, das gerade wie aus dem Nichts mein Herz überflutet. Warum es aufkommt, weiß ich nicht. Und nur während eines ganz kurzen Momentes mischt sich mein Verstand mit derartigen Fragen in das Geschehen ein. Dann ist wieder Ruhe, und nur die Schneeflocken tanzen im eiskalten Wind.

Beziehung und Kompromiss

März 4th, 2010

Im Zuge des Alleinelebens bemerke ich jetzt, wie sehr ich in der jüngeren Vergangenheit Kompromisse eingegangen bin, die reines inneres Richten waren. Nicht immer war die Beziehung mit M. so gewesen, aber im Laufe der Jahre hatte sich bei mir der Fehler eingeschlichen, der darin besteht, falsche Kompromisse einzugehen. Eine Konsequenz war dann gewesen, dass ich “Beziehung” automatisch als “einengend durch zu viele Kompromisse” empfunden hatte, und immer mehr dazu neigte, “Beziehung” per se in Bausch und Bogen zu verurteilen.

Dabei liegt das Problem eben nicht in der Tatsache, eine Beziehung zu führen. Ganz im Gegenteil: Tatsächlich beginnt bereits mit der ersten Kontaktaufnahme mit einem Menschen - und zwar egal mit welchem Menschen - eine Beziehung, die streng genommen erst mit dem Tode endet. Das geht gar nicht anders, und ist auch völlig in Ordnung so. Es bedeutet nämlich nichts anderes, als dass man sich auf den anderen einschwingt indem man sich selbst öffnet und mit der eigenen Energie einbringt. Ohne Beziehung gäbe es keine Kommunikation zwischen den Menschen, die über small-talk hinausginge. Das ist wie beim Tanzen, wo eben auch eine “Beziehung” zwischen den Tänzern existiert, also ein Zusammenspiel, das aber harmonisch ist - und nur deshalb harmonisch ist, weil jeder sich selbst, so wie er ist, einbringt.

Das Problem beginnt dann, wenn man sich nicht mehr selbst einbringt, sondern beginnt, sich nach dem anderen zu richten. Das ist dann der Punkt, wo die eigene Energie zurückgesteckt wird, und sogar verkümmern gelassen wird. Erreicht wird dieser Punkt durch das Eingehen von Kompromissen, die ich hier “innere Kompromisse” nenne. Ich gebe mich dann selbst auf, beginne auf den Partner zu schauen, und vergesse mich dabei selbst. Das ist ungesund. “Äußere Kompromisse” dagegen sind da völlig anders: Es sind Kompromisse, die notwendig sind, vom Umfeld, in dem man sich bewegt vorgegeben. Man passt sich den Umständen an, weil es die Situation erfordert, ohne dabei aber die eigene Inspiration, die eigene Motivation zu vergessen. Das ist dann wie die Musik, nach der die Tänzer sich richten, ohne dabei die Aufmerksamkeit von der eigenen Bewegung zu lösen.

Schaue ich jetzt auf die zwölf Jahre mit M. zurück, so fällt mir auf, dass das Erreichen jenes Punktes, an dem ich begann, diese inneren Kompromisse zu schließen, von einem Gefühl des Unwohlseins begleitet worden war, welches ich aber nicht wahrhaben wollte. Damit einher ging dann auch der zunehmende Hang, mich von Oberflächlichkeiten ablenken zu lassen (Auch das fällt mir jetzt auf, etwa in der Tatsache, dass ich mich über die ganze Politik weniger aufrege. Ich nehme sie zwar noch zur Kenntnis, benutze sie aber nicht als Gefühlsventil, wie früher hin und wieder.).

Diese Verwechslung zwischen innerem und äußerem Kompromiss ist wohl stets ein ganz schmaler Grat, den ich in meiner Bequemlichkeit - denn dies war meine Hauptmotivation für die Verleugnung der Lage gewesen - allzu gerne übersah.

Der verrückte Verstand

März 3rd, 2010

Nun sind verschiedene Hinweise eingetroffen, dass ich wahrscheinlich doch nicht von den Banken in dieser Sache belangt werden kann. Nachdem ich zunächst teilweise die Wände hochgegangen bin deswegen, hat sich mein Gemüt nun wieder beruhigt. Mehr noch: Ich spüre, dass sich als Effekt eine verstärkte innere Ruhe eingestellt hat - stärker als vor dieser Geschichte. Es scheint so zu sein, dass dieser Schreck in bestimmter Hinsicht auch heilsam war, weil er mich an die Grenzen meiner Normalität geführt hat, und etwas berührt hat, was tiefer liegt als mein Alltags-Ich.

Es ist die grundlegende Frage danach, was “mich” eigentlich ausmacht, und ich stoße darauf, dass ich immer wieder darauf hereinfalle, meine materielle Integrität, meine persönlichen Verhältnisse, meine vergangene und zukünftige Geschichte dafür zu halten, anstatt das, was dahinter liegt und viel grundlegender ist: meine bewusste Lebensfreude, mein Dasein im Hier und Jetzt.

Denn tatsächlich war die Wirkung dieses Schrecks im ersten Moment ja vor Allem die gewesen, mich entwurzelt vorgefunden zu haben, herausgerissen aus dem Hier und Jetzt durch einen Verstand, der ein panisches Szenario nach dem anderen an die Wand malte, ohne dass Fakten vorgelegen hätten (die alleine dem gesunden Verstand als Material zu dienen haben). Tatsächlich war es ein Verstand, der in wilder Weise Instinkte und Gefühle miteinbezog und verrückt spielte.

Hier mache ich dann auch die Funktionsweise des Verstandes fest: Er abstrahiert, bauscht auf, piesackt und schlägt Wellen, die weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinausgehen. Tatsächlich schafft er es, sogar die körperliche Ebene in Mitleidenschaft zu ziehen, in diesem Falle etwa so, dass ich eine Zeit lang unter völliger Appetitlosigkeit gelitten hatte, und einen Abend lang sogar unter Ohrensausen.

Weiterhin führt mir dieser Vorfall vor Augen, dass meine materielle Situation durchaus etwas ist, woran ich (allerdings in sachlicher Weise) etwas ändern soll und hoffentlich auch kann. Ein gutes Gefühl beschert mir da die Aussicht auf das zweite Vorstellungsgespräch an einer Schule in etwa zwei Wochen, bei der ich mich um eine Festanstellung beworben habe. Aber auch diese Hoffnung ist zunächst einmal Verstandessache: Da extrapoliere ich wieder einmal und löse den Blick von der Gegenwart.