Der Sumpf des Phrasenhaften
Nun ist als letzte Antwort auf Anfragen bei Abgeordnetenwatch zum Thema “Geldschöpfung” auch die Antwort von Hr. Ströbele eingetroffen. Es ist wirklich erstaunlich und aufschlussreich, die unterschiedlichen Antworten dieser verschiedenen Politiker miteinander zu vergleichen. Gar nicht mal so sehr, was die Stelllungnahme zum Thema selbst angeht: wenig Ahnung haben sie offenbar alle. Da ist aber dennoch ein himmelweiter Unterschied zwischen der Antwort von Hr. Ströbele und etwa einer Fr. Lengsfeld (aber nicht nur ihr).
Zum Einen ist es die offensichtliche Unfähigkeit der großen Mehrheit dieser Politiker, die eigene Ahnungslosigkeit einzugestehen, und sich stattdessen in Geschwafel zu flüchten. Dadurch wirken sie sofort unglaubwürdig und auch irgendwie eklig. Denen soll ich vertrauen? Hr. Ströbele macht wenigstens kein Hehl daraus, dass er es selbst nicht blickt.
Das ist aber nicht die einzige Sache, die in Ströbeles Antwort aufscheint. Es ist nur das offensichtlichste. Das viel wichtigere aber auch viel unscheinbarere, ist der allgemeine Tonfall, der durch seine Antwort transportiert wird. Man merkt sofort, dass er selbst es ist, der da schreibt. Nicht, dass die anderen zwangsläufig alles ihren Redenschreibern überlassen hätten. Womöglich wurden ihre Antworten auch von ihnen selbst verfasst. Und dennoch: Sie haben alle etwas phrasenhaftes und aufgesetztes, klingen wie auswendig gelernt, irgendwo in einem zeitlosen Raum aufgehängt und haltbar gemacht - fast so wie Räucherschinken.
Die Antwort von Hr. Ströbele ist dagegen im Hier und Jetzt verfasst. Das meine ich mit “er selbst”. Und das ist auch der wahre Kern von Qualität und Exzellenz - immer wieder. Und genau hier kann und möchte ich lernen - denn allzuoft finde ich mich selbst phrasenhaft. Ich weiß bzw. spüre in solchen Momenten dann zwar schon ansatzweise, wo ich bin, finde es aber immer wieder schwer, da hinauszufinden. Das Phrasenhafte ist wie ein Sumpf, in dem ich steckenbleibe, und aus dem ich mich selbst nicht herausziehen kann. Nur die Erfahrung dessen, dass es anders geht - und zwar anhand von Vorbildern und Beispielen - hilft mir dabei, dort herauszufinden.