Ehrliche Worte

Ein nahestehender Mensch, bei dem gründlich etwas schief läuft: Irgendjemand muss mit ihm reden und klare, aber eben auch unbequeme Worte finden. So wie jetzt mit D..

Es tut weh, es zu tun, es kostet unendlich viel Kraft und gedankt wird es mir auch nicht. Eher werde ich beschimpft. Warum lasse ich mich darauf überhaupt ein? Es ist eigentlich völlig idiotisch, könnte ich es doch viel bequemer haben und meine Energie auf andere Dinge konzentrieren.

Und doch, es geht nicht anders. Ich kann mich nicht zurückhalten. Ich muss ausdrücken, was ich fühle. Alles andere würde nur einen Panzer erzeugen, der mich von der Wahrheit trennt. Es geht nicht nur um D.. Es geht um uns beide.

 

Tätigkeit

Die Dünnhäutigkeit, über die ich letzthin schrieb, hält an, aber es zeigt sich ein Ausweg bzw. eine Lösung auf, wie am besten damit umzugehen ist.

Es ist nämlich immer so: In Zeiten der Krise (und ich verstehe "Krise" nicht als negativ konnotierten Begriff, sondern einfach als Bezeichnung für eine Zeit der Zuspitzung) zeigen sich immer wieder auch kurze Momente, die für einen ganz kleinen Augenblick einen Ausblick darauf ermöglichen, was sein könnte oder wohin das alles einem Sinn folgend führen könnte.

In diesem Falle waren es das "zufällige" Treffen mit J., bei dem er mich an die Möglichkeit erinnerte, endlich die Bewerbung abzuschicken, verschiedene Unterhaltungen bei A., bei denen ich immer wieder darauf gestoßen wurde, dass ich nicht für diese ständige Schreibtischarbeit geschaffen bin, das Gespräch mit E., die mir daraufhin jenes Buch über den Weg des Herzens schickte, und viele andere Begebenheiten, die aus unterschiedlichsten Richtungen zu mir kamen und mich immer wieder an das Gleiche erinnerten.

Vor Allem aber waren es jene Momente der Verzweiflung als ich spürte, dass der Schmerz, den ich verspürte und immer noch verspüre in Wirklichkeit nichts anderes ist als die Abwesenheit einer sinnvollen Tätigkeit. "Sinnvoll" bezeichnet hier aber nichts objektiv messbares oder von der Gesellschaft als solches bewertetes, sondern einfach nur etwas, bei dem ich für mich das Gefühl habe, dass es mich erfüllt, dass es dem entspricht, wofür ich auf dieser Welt bin, indem ich es widerstandslos und gerne tue.

Denn: Es ist ja kein Zufall, dass z.B. die Erlebnisse mit R. mich gerade jetzt in diesem Maße aus der Bahn werfen, in einem Moment also, wo der Job immer zäher weil eintöniger wird. Denn warum ist mir das alles nicht in den letzten, sagen wir mal sieben Jahren passiert? Ganz einfach: Weil mich damals noch dieses Gefühl der Sinnhaftigkeit stark und in gewisser Weise auch immun gegen solche Dinge machte. Ich kann es nicht anders sagen. Diese schmerzhafte Empfindlichkeit ist eine Reaktion meiner gesamten Person und hat nur den einen Zweck: Mir einen Tritt in den Hintern zu verpassen, um endlich wieder die Dinge ins Reine zu bringen. Und die Dinge ins Reine bringen heißt hier zunächst: sinnvoll tätig sein.

Immerhin habe ich gerade die Bewerbung eingeworfen.