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Selbstverstärkung
Unbewusst kenne ich meinen Fehler. Genauso unbewusst
umgebe ich mich mit Menschen bzw. suche sie sogar auf,
die den gleichen Fehler besitzen, womöglich sogar in
noch stärkerem Maße als ich. In Extremfällen bin ich
sogar ganz vernarrt in solch einen Menschen.
Die Ursache für dieses Verhalten ist ganz simpel: Ich
verschaffe mir auf diesem Weg eine Möglichkeit, mir
selbst diesen Fehler zu verzeihen und ihn mir sogar
schönzureden. Dadurch muss ich mich dann nicht weiter
damit auseinandersetzen.
Statt ihn zu beheben und dadurch meinem Leben eine
neue, produktivere Richtung zu geben, verstärke ich
auf diese Weise den Fehler selbst. Ich schaffe mir
eine Blase.
Das Gleiche passiert übrigens auch, wenn irgendein
Algorithmus im Internet anfängt, meine Vorlieben und
Meinungen zu bedienen und entsprechende Seiten,
Videos, Artikel empfiehlt. Am Ende glaube ich, dass
die ganze Welt meiner Meinung ist und wundere mich
dann, wenn dem in der Realität nicht so ist. In
solchen Momenten können dann Gefühle wie
Ungeduld, Frustration, Hass und sogar Aggressivität
entstehen.
Die "vieja metiche" und der "alte Sack"
Der Begriff "vieja metiche" stammt aus dem
Spanischen. Er beschreibt eine alternde Frau, die
sich ständig um das Leben anderer Menschen kümmert,
darüber spricht, darin herumrührt und sich ungefragt
einmischt. Man trifft sie in Freundeskreisen,
Familien, Kollegien, Vereinen. Die Ursache für
dieses Verhalten liegt darin begründet, dass sie ihr
eigenes Leben zunehmend als sinnlos, leer und
langweilig empfindet - und nun das Leben der Anderen
hernimmt, um sich selbst Wichtigkeit beizumessen.
Der "alte Sack" ist ein alternder Mann, der
ständig ungefragt seine Meinung dahingehend kundtut,
wie schlimm, kaputt, verrottet und verachtungswürdig
diese Gesellschaft sei. Schuld daran seien stets die
EU, die Umweltschützer, die Ausländer, die Schwulen,
die Wissenschaftler. Man trifft ihn an
Bushaltestellen, in Wartezimmern, in Kneipen, im
Internet. Die Ursache für dieses Verhalten liegt in
der Unfähigkeit begründet, sein eigenes Leben
konstruktiv zu gestalten - dies aber auch den
Anderen nicht gönnt, denn sie erinnern ihn
schmerzlich daran.
Mit beiden Persönlichkeitstypen habe ich hin und
wieder zu tun.
Die Welt ist immer genau das, was die
einzelnen Menschen aus ihrem eigenen Leben machen.
Ungeduld 3
Gerade wieder beobachte ich den prinzipiellen
Unterschied zwischen einer Unternehmung, deren
Ausgang ich selbst (komplett) in der Hand habe,
und einer Unternehmung, deren Ausgang auch vom
Verhalten anderer Menschen abhängt.
Bei letzterer stellt sich an einem gewissen Punkt
immer eine Art Unwohlsein und Gehetztheit ein. Ich
finde dann keine Ruhe und kann die Dinge auch
nicht genießen bzw. in ihrer ganzen Tiefe
wahrnehmen und wertschätzen. Alle Wahrnehmungen
bleiben in diesem Zustand oberflächlich und
unbefriedigend.
Das ist kein neues Phänomen bei mir. Neu ist eher
die Erkenntnis, dass auch hier wieder Ungeduld die
Ursache ist. Ich schaffe es offensichtlich nicht,
mich zurück zu lehnen und dem Erfolg (oder auch
Misserfolg) eines Projektes seinen freien Lauf zu
lassen. Vielmehr glaube ich, für alles
verantwortlich zu sein und notfalls nachhelfen zu
sollen. Und da das nicht klappen kann (weil es ja
nicht nur von mir abhängt), entsteht ein Misston
in meinem Erleben.
Das kann jede Art von Unternehmung betreffen:
privat, beruflich, gesellschaftlich. Aktuell tut
es das auf allen Ebenen.
Ungeduld 2
Anhand mindestens zweier aktueller
Erlebnisstränge stoße ich auf eine Erkenntnis,
die mir immer klarer wird:
Ich neige dazu, auch dann meinem Glück
nachhelfen zu wollen, wenn es bereits vor der
Tür steht. Es handelt sich um das Laster der
Ungeduld. Aus dieser Haltung heraus beging ich
in der Vergangenheit stets meine größten Fehler.
Zum Teil waren es Fehler, die nicht mehr
korrigierbar waren, und die ich im Nachhinein
als verpasste Chancen betrauerte.
Was da helfen würde, wäre die Bereitschaft, den
Dingen ihren Lauf zu lassen und sie einfach nur
zu beobachten - und zu genießen. Es ist im
Endeffekt eine Frage der Demut. Somit ist
Ungeduld nichts anderes als Hochmut.
Petrokapitalismus
Vermutlich lacht man sich in der gesamten
Galaxie gerade scheckig über diesen Planeten
und seine Bewohner:
Dass man allen Ernstes so dumm sein kann, den
mühsam von der Natur in Jahrmilliarden in die
Erdkruste eingelagerten Kohlenstoff binnen
einiger Jahrzehnte zur "Energiegewinnung" in
die Atmosphäre zu blasen, ohne auf die Folgen
zu schauen. Und das alles nur, damit einige
Individuen und Interessengrüppchen sich
persönlich bereichern können. Sogar Kriege
werden aus diesem Grunde geführt - bis hin zur
Androhung der Vernichtung ganzer
Zivilisationen.
Immerhin in China scheint man erkannt zu
haben, dass alternative Energieformen nicht
nur strategisch klüger und umweltschonender
sind, sondern inzwischen auch billiger. Allein
aus diesem Grunde kann man getrost sagen, dass
China noch am ehesten als Land der Zukunft
bezeichnet werden kann. Der
petrokapitalistische Sack, in dem die beiden
Weltmächte des letzten Jahrhunderts (die USA
und Russland) sitzen, dürfte bald zugezogen
werden.
Ehrlichkeit
Um zu anderen Menschen ehrlich sein zu
können, muss ich zu mir selbst ehrlich sein.
Sonst kommt es zu Missverständnissen und
Fehlentwicklungen.
Meditation
Die tägliche Meditation findet stets zur
gleichen Tageszeit und unter den gleichen
Umständen statt. Aber jedes Mal ist sie
anders.
Freude, Angst, Gehetztheit, Aufbruchstimmung, Gelassenheit, Müdigkeit u.v.m.: Stets schiebt sich ein anderer "Akteur" in den Vordergrund und paradiert da vor meinen Augen. So als wäre ich ein Laufsteg der Befindlichkeiten.
Auflösung durch Gelassenheit
Bedingt durch gewisse aktuelle
Entwicklungen finde ich mich in diesen
Tagen in einem Zustand wieder, den ich
aus vergangenen Jahrzehnten bereits
ziemlich gut kenne. Es ist, als wäre ich
in einer Zeitmaschine mehrere Jahrzehnte
zurück in die Vergangenheit gereist. Und
das macht sich sowohl emotional als auch
körperlich bemerkbar.
Zwischendurch kommen Ängste auf, ich
könnte in einem ewigen Karussell
gefangen sein, aus dem es kein Entrinnen
gibt und in dem sich die Dinge ständig
wiederholen.
Dann aber wieder fällt mir auf, dass
sich eben doch etwas verändert hat. Aber
was? Die Umstände sind es jedenfalls
nicht. Ich bin zwar etwas älter
geworden, aber ansonsten sind die
Rahmenbedingungen denen der
Vergangenheit sehr, sehr ähnlich.
Nein, was sich wirklich geändert hat,
ist meine Einstellung zu dieser
Angelegenheit. Ich fühle mich nicht mehr
dazu herausgefordert, das Absonderliche
an der Sache "in den Griff" zu bekommen,
sondern schaffe es besser als damals,
das Ganze einfach nur staunend zu
betrachten und geschehen zu lassen.
Es könnte sein, dass dies der geeignete
Weg ist, diese Sache zu einem
friedvollen Ende zu bringen.
Ungeduld
In diesen Tagen begegne ich wieder
meiner alten Bekannten, der Ungeduld.
Das äußert sich darin, dass ich eben
noch Freude darüber empfinde, nun dies
oder jenes zu tun, mich im nächsten
Moment aber dabei erwische, wie ich
mich schlecht fühle (bis hin zu
körperlichen Symptomen), weil ich
etwas anderes nicht gleichzeitig
machen kann.
Es ist ein Gefühl des Verlorenseins
in einem Überangebot an Aktivität bzw.
in dem Anspruch, alle möglichen Dinge
erledigen zu wollen. Das mündet dann
nicht selten in Verwirrung,
Enttäuschung, Unwohlsein, Frustration
- alles aber unterschwellig, ohne dass
es ganz direkt greifbar wäre.
Ich nenne dies eine "alte Bekannte",
denn so weit ich mich erinnern kann,
war ich bereits als Kind und
Jugendlicher so veranlagt - zumindest
mehr als etwa mein Bruder oder andere
Kinder, mit denen ich zu tun hatte.
Und auch damals litt ich zeitweise
darunter, denn ich erfuhr durch diese
Eigenschaft nicht selten Ablehnung -
ganz abgesehen von meiner eigenen
Aufgewühltheit und Frustration
angesichts irgendwelcher Dinge, die
ich tun wollte, aber nicht konnte.
Es läuft darauf hinaus, den
Gegenspieler dieser Ungeduld, die
Geduld zu üben.
In diesem Sinne merke ich immer
wieder (und so auch jetzt, wo der
Frühling beginnt), dass eine gute
diesbezügliche Methode das Gärtnern
ist. Hier kann ich durch nichts das
Wachstum beschleunigen. Es ist wie es
ist. Mehr noch: Ich sehe ganz direkt
die Schäden, die ich anrichte, wenn
ich getrieben von Ungeduld zu viel des
Guten tue. Da ist die Natur der
perfekte Lehrmeister.
Der Verstand
Vögel haben Flügel, damit sie
fliegen können. Haie besitzen
nachwachsende Zähne, damit sie stets
für die Jagd bereit sein können.
Stabschrecken besitzen eine perfekte
Tarnung, um im Dschungel zu
bestehen.
Jedes Lebewesen besitzt eine
besondere Eigenschaft, die es
befähigt, sein ganz besonderes Leben
zu führen.
Und was besitzt der Mensch?
Der Mensch besitzt seinen Verstand.
Das stark entwickelte Denken (und
die damit eng verbundene Sprache)
ist das, was ihn von seinen
planetaren Mitbewohnern
unterscheidet. Es ist kein
fundamentaler Unterschied, denn auch
Tiere können denken. Es ist eher ein
quantitativer Unterschied: Menschen
denken mehr und intensiver als
Tiere. So wie etwa Menschen auch
Zähne haben, aber eben nicht so
viele und so gute wie Haie.
Nun beobachte ich folgendes: Es
gibt Strömungen, vor Allem in der
sich selbst so nennenden
"spirituellen" Szene, die dazu
übergegangen sind, den Verstand zu
verteufeln. Er wird als Wurzel allen
Übels festgemacht, als Sündenbock
für alles, was schief läuft. Da wird
an Techniken gefeilt, wie man seinen
Verstand ausschalten könnte, da
werden Situationen inszeniert, um
den Verstand zu diskreditieren, da
werden Menschen ins Lächerliche
gezogen, die versuchen, ihren
Verstand richtig zu benutzen. Auch
mich beeindruckten derartige
Theorien zeitweise. Schließlich
bieten sie eine einfache Lösung:
Wenn etwas nicht so läuft wie
gewünscht, dann werfe ich es einfach
weg.
Der Punkt ist jedoch: Kein Vogel
käme auf die Idee, sich die Flügel
abzuschneiden, nur weil er einmal
aus Versehen gegen einen Baum
geflogen oder falsch gelandet ist.
Kein Hai käme auf die Idee, sich die
Zähne ziehen zu lassen, nur weil ihm
ein Opfer entwischt ist. Jede
Fähigkeit, die die Natur ihren
Geschöpfen (darunter auch uns
Menschen) übereignet hat, ist nicht
perfekt, sondern soll geübt und ihr
Gebrauch verfeinert werden.
So auch der Verstand.
Ich habe mich in der Vergangenheit
viel zu sehr mit der Dümmlichkeit
derer auseinandergesetzt, die den
Verstand als Fluch betrachten.
Natürlich kenne ich die Schleifen
des Verstandes, seine
Selbstverstärkung bei sinnlosen
Angelegenheiten, sein Geblähtsein,
seine Wichtigtuerei, seine Irrwege.
Aber gerade deshalb ist es wichtig,
zu lernen, meinen
Verstand richtig zu gebrauchen.
Ansonsten werde ich nie ein
richtiger Mensch sein.
Was ist Freude?
Als wir vereinbart hatten, dass
ich dieses zusätzliche
Arbeitspensum übernehmen würde,
freute ich mich darauf. Auf die
neuen Erfahrungen, auf die
Abwechslung.
Als wir diese Vereinbarung nun
bereits im Vorfeld doch wieder
strichen, weil die gesamten
Umstände sich geändert hatten,
empfand ich wieder Freude. Auf die
gewonnene Zeit und die damit
verbundenen Möglichkeiten.
Es ist schon seltsam, das mit der
Freude!
Traum vom Vertrauen
Ich befinde mich (zusammen
mit M.) in einem Flugzeug. Es
ist kein gewöhnliches
Flugzeug, eher eine Wohnung,
eine sehr große Wohnung. Wir
befinden uns auf einem
Langstreckenflug, der uns in
ein fernes Land, zu einem
neuen Wohnort bringt. Wir sind
die einzigen an Bord und ganz
auf uns alleine gestellt. Bei
mir stellt sich ein
zwiespältiges Gefühl ein:
Es ist mir einerseits unwohl
dabei, dass es in dieser
Situation nur uns und das
Flugzeug gibt, das
selbstständig zu fliegen
scheint. Wir haben keine
Möglichkeit, das Flugzeug zu
lenken oder zu beeinflussen.
Andererseits verspüre ich
ein sehr tiefes Urvertrauen,
dass alles gut so ist, wie es
ist, und dass das Flugzeug uns
sicher an unseren
Bestimmungsort bringen wird.
Dieses Urvertrauen erreicht
seinen Höhepunkt, als ich
bemerke, dass wir bereits
landen und aus dem Fenster
Lichter unserer Zielstadt
erblicke. Freude stellt sich
ein.
...
Das Flugzeug steht für die
"Reise des Lebens", also für das
Lebens selbst. Der Traum
behandelt das Thema der Angst
angesichts von Entwicklungen,
die ich nicht beeinflussen kann,
die aber dennoch existenziell
sind. Dazu zählen etwa
weltpolitische Verwerfungen,
alltägliche Bedrohungen bis hin
zu gesundheitlichen Gefahren wie
Krankheiten und auch die
Aussicht darauf, alt und
gebrechlich zu werden.
Die meisten dieser Dinge kann
ich nicht verändern oder
beeinflussen. Deshalb ist es
müßig, dagegen anzukämpfen - und
davor Angst zu haben. Was mir
bleibt, ist auf das Urvertrauen
ins Leben selbst zu setzen.
Der Niedergang einer Weltmacht
Geradezu im Zeitraffer kann
man in diesen Tagen den
Niedergang der größten
Weltmacht der Gegenwart
beobachten. Es ist eine
wirklich spannende Zeit!
Die Rede ist natürlich von den
USA, die gerade dabei sind,
ihre Macht zu verspielen. Dies
ist vor Allem deshalb möglich,
weil die entscheidenden
Akteure in diesem Land ganz
offensichtlich nicht
verstanden haben, worauf die
Sonderstellung ihres Landes in
der Welt während der letzten
Jahrzehnte wirklich beruhte.
Offensichtlich wird da
geglaubt, es wären in erster
Linie militärische und
wirtschaftliche Fähigkeiten
gewesen, die den USA die
Vormachtstellung ermöglicht
hätten. Und ja: In gewisser
Weise spielten (und spielen)
diese Dinge eine Rolle bei der
Machtausübung. Aber beide sind
lediglich Werkzeuge und keine
Ursachen, beruhen sie
ihrerseits noch auf etwas ganz
Anderem, viel Wichtigerem:
Seit Jahrhunderten waren die
USA mit ihrem Versprechen von
Freiheit, Recht und Toleranz
der große Leuchtturm für alle
Gedemütigten, Verfolgten,
Tyrannisierten aber auch
Kreativen,
Unternehmungslustigen,
Optimisten dieser Welt. Sie
zog es in die USA und sie
waren es, die mit Ihrer
Begeisterung für diese
Gesellschaft dazu beitrugen,
die amerikanische Wirtschafts-
und dann auch Militärmacht
aufzubauen.
Ebenso war es pure Sympathie
für das amerikanische
Gesellschaftsmodell, welche
die USA zum Vorbild jener
Leute in fast allen Ländern
der Welt werden ließen, die
zwar nicht dorthin
auswanderten, jedoch die
amerikanischen Ideale in ihren
jeweiligen Ländern zu leben
versuchten. Damit prägten sie
ihre Länder im amerikanischen
Sinne.
Gleichzeitig verstanden es
die USA stets, als
verlässlicher Vertragspartner
zu gelten und auf diese Weise
Allianzen der Rechtmäßigkeit
zu schmieden - Allianzen, die
es den USA ermöglichten, den
Planeten zu führen ohne ihn zu
kujonieren.
In dieser Weise ent- und bestand das amerikanische Imperium aus Menschen und Völkern, die den USA bzw. ihrem Gesellschaftsmodell aus Sympathie und Freundschaft folgten und es weitertrugen.
So, und nur so wurden die
USA zur Weltmacht.
Und das ändert sich gerade
ganz gehörig:
Angeführt von einem
überforderten Präsidenten
schlagen sich die USA derzeit
auf die Seite jener Länder,
die mit Gewalt statt mit
Respekt "herrschen" wollen,
mit Engstirnigkeit statt mit
Kompromiss, mit Angst statt
mit Freude. Zwar wird diese
Strategie mittelfristig dazu
führen, dass die USA sich in
irgendeiner kriegerischen Art
und Weise "mächtig" fühlen
dürfen, jedoch wird die wahre
Basis des Landes zerstört.
So spielen die USA ab jetzt
in der Liga der mittelmäßigen
Wadenbeißer mit, die zwar viel
Schaden anrichten können, die
aber keine zivilisatorische
Leuchtturmfunktion haben.
Und damit sind die USA in
absehbarer Zeit keine
Weltmacht mehr.
Gefühle und Physis
Und da ist noch ein
weiterer Elefant im Raum:
Immer wieder erlebe ich es,
dass irgendeine körperliche
Lästigkeit (wie z.B.
letzthin eine Krankheit)
direkt meine Gedankenwelt
beeinflusst. Dann kommen
pessimistische Gedanken auf,
ich mache mir Sorgen um dies
und jenes und gebe in der
Folge auch negative
Äußerungen von mir.
Gleichzeitig beobachte ich
auch, dass dieser
Veränderung der Gedanken in
Wirklichkeit etwas anderes
voraus geht: eine
Veränderung meiner Gefühle.
Pessimismus und Angst sind
ja primär Gefühle, keine
Gedanken. Die kommen erst
danach, als "pessimistische
Gedanken", "Sorgen" usw..
Der springende Punkt dabei
ist: Zuerst kommen die
Gefühle und dann kommen die
entsprechend eingefärbten
Gedanken. Und den Gefühlen
wiederum ist die physische
Veränderung vorgeschaltet
(Beispiel Krankheit).
"Ich" bin bei dieser
Betrachtungsweise eine
Abfolge von physischen
Veränderungen, dadurch
ausgelösten Gefühlen und
Gedanken, die am Ende Taten
bewirken können.
Gedanken
sind Worte
Den gestrigen Eintrag
muss ich korrigieren bzw.
ergänzen:
Gedanken sind Worte. Die
Software meines Verstandes
ist die Sprache. Wenn
meine Gedanken sich auf
sinnvolle Weise
entwickeln, dann bedienen
sie sich der Sprache. Aber
auch wenn meine Gedanken
sinnlos kreisen, dann
verwenden sie für ihr
Geplapper die Sprache. Ich
kann sie (z.B. beim
Meditieren) als Worte
wahrnehmen. Und deshalb
könnte man hier einen
neuen Begriff einführen:
Gedankenworte.
Diese Erkenntnis
erscheint mit gerade wie
der Elefant, der im Raume
steht. Die einzige
Unterscheidung, die es
hier noch gibt, ist die
zwischen unausgesprochenen
Worten und ausgesprochenen
Worten. Letztere sind den
Taten zuzuordnen, erstere
den Gedanken.
Die Korrektur sieht
folglich so aus:
Gedanken und Worte sind
das Gleiche. Sie sind aus
dem gleichen Holz
geschnitzt: der Sprache.
Gedankenworte können Taten
bewirken. Taten sind dann
umgesetzte Gedankenworte.
Lüge
Gedanken werden zu
Worten, Worte werden zu
Taten.
Taten sind
materialisierte Worte,
Worte sind ausgesprochene
Gedanken.
Lüge entsteht da, wo
diese Abfolge aus
irgendeinem Grund gestört
ist. Etwa weil äußere
Zwänge die Tat verhindern,
weil Mundverbote die
Aussprache verunmöglichen,
weil eine Flut von
Ablenkungen den
Gedankengang stört. Lüge
heißt demnach also
gleichermaßen die Lüge des
Selbstbetrugs durch
Gedanken, die Lüge durch
falsch verwendete Worte,
die Lüge der
unreflektierten Tat.
Menschen, denen dies
geschieht, sehe ich immer
besser an, wie es um sie
steht. Das betrifft
Arbeitskolleginnen genau
so wie Präsidenten von
großen Ländern, den Bäcker
an der Ecke oder einen so
genannten "spirituellen
Lehrer". Ich erkenne
einfach, dass es da einen
Knacks in der genannten
Abfolge gibt,
offensichtliche
Widersprüche im Dasein.
Erkennen kann ich es nur
deshalb, weil diese
störanfällige Abfolge auch
in mir selbst abläuft -
inklusive eingebauter
Disharmonien, sprich:
Lügen.
Ausmaß und Relevanz von
Lügen unterscheiden sich
aber sehr von Tag zu Tag
und eben auch von Mensch
zu Mensch. Und diesen
Unterschied sollte ich
immer im Auge behalten. Es
ist nämlich durchaus etwas
anderes, ob mein Bankier
vertrauenswürdig ist (oder
nicht) oder die
Sitznachbarin im Bus.
Zumindest in der Regel.
Buße
In dem Buch über den
Talmud, das ich gerade
lese, wird immer wieder
die Notwendigkeit
hervorgehoben, Buße zu
tun. Alte Bücher,
altmodische Sprache.
Gemeint ist damit aber
nicht, bei einem Fehltritt
in Sack und Asche zu gehen
und sich zu ducken wie ein
geprügelter Hund. Gemeint
ist vielmehr, den
Fehltritt überhaupt als
solchen anzuerkennen. Der
Rest, also das, was man
Läuterung oder Heilung
nennen könnte, kommt von
alleine. Mitunter sogar im
selben Augenblick.
Meister
Gestern lernte ich einen echten Meister kennen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Bislang kannte ich lediglich einen anderen Meister, nämlich A..
Menschen dieser Art erkennt man daran, dass sie ihre Arbeit mit Ernsthaftigkeit angehen - und dass sie den anderen Menschen mit Brüderlichkeit begegnen ohne ihre Freiheit aufzugeben. Sie beherrschen sich selbst und wirken darin als Vorbilder. Sie sind lebendig durch und durch, und können lachen und schimpfen, dass die Wände wackeln - und alles dazwischen auch. Ihr Handwerk beherrschen sie perfekt - sei es als Elektroingenieur, Gärtner, Wirt.
Wie wohltuend anders sind sie als jene selbst ernannten Meister im Internet, die den Menschen dieses Planeten durch Eigenlob Kompetenzen vorgaukeln, ihnen Verhaltensweisen nahelegen und sogar politische Botschaften (zumeist autoritärer Natur) ins Ohr träufeln. Ich erkenne sie oft schon an ihrem hämischen Gehüstel, das sie selbst wohl als Lachen verstanden wissen wollen. Influencer.
In mir selbst erzeugt die Begegnung mit einem echten Meister die Rückbesinnung auf das Lebendige in mir - auf die Notwendigkeit mithin, keine Minute meines Lebens zu verschwenden.