Einschau Blog
Guter Haushälter und Verrückter
Es ist bzw. war gut und richtig, in der letzten Zeit
einen Großteil meiner Aufmerksamkeit auf dieses eher
materiell ausgerichtete Projekt gelenkt zu haben. Ich
merke, wie es mich zentriert und erdet, wie es mir
Kraft und innere Ruhe gibt. Ich rechne es der Sphäre
des Guten Haushälters zu.
Dennoch: Es ist an der Zeit, andere Prioritäten zu
setzen. Das heißt nicht, dass ich damit aufhören
werde, aber es ist wichtig, die Kirche im Dorf zu
lassen und den Blick wieder etwas über den Tellerrand
zu lenken. Es geht darum, zusätzliche Perspektiven zu
entwickeln. Ansonsten würde diese Unternehmung in die
Sphäre des Verrückten abgleiten.
Ein Argument, das gegen einen menschengemachten Klimawandel spricht
Neulich bei einem Gespräch stand folgende Feststellung im Raum:
„Die Atmosphäre besteht nur zu 0,04% (400 ppm)
aus Kohlendioxid (CO2).
Selbst also wenn sich dieser Gehalt verdoppeln oder gar verdreifachen würde, dann wäre er immer noch so gering, dass er keine Auswirkungen auf das Klima haben könnte.“
Faktencheck:
Die Erde ist 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Aufgrund dieser Entfernung sollte auf der Erde eigentlich eine Durchschnittstemperatur von minus 18°C herrschen. Sie wäre also unbewohnbar. Tatsächlich herrschen auf diesem Planeten aber durchschnittliche 15°C, was der Atmosphäre zu verdanken ist. Sie wirkt wie ein schützendes Tuch, das die von der Erdoberfläche abgestrahlte Wärme zurückhält. Dies ist der so genannte natürliche Treibhauseffekt.
De facto funktioniert er so, dass Sonnenlicht beim Auftreffen auf die Erdoberfläche als Infrarotstrahlung (IR) wieder reflektiert und Richtung Weltall abgestrahlt wird. (IR-Strahlung ist auch bekannt als „Wärmestrahlung“ wie sie etwa Kachelöfen im Winter als „angenehme Wärme“ abstrahlen.) Auf ihrem Weg zurück ins All versetzt diese Strahlung Luftmoleküle in Bewegung. Und diese als molekulare Bewegung gespeicherte Energie ist es dann, was wir „erhöhte Temperatur“ nennen.
Die Atmosphäre besteht vor Allem aus Stickstoff (N2; Anteil von 78% ), und aus Sauerstoff (O2; 21%) und dem Edelgas Argon (Ar; ca. 1%). Desweiteren gibt es darin noch weitere Edelgase (Helium, Krypton, Xenon), Wasserdampf (H2O), Stickoxide (NOx), Ozon (O3) und andere. Und eben auch Kohlendioxid mit seinen 0,04%. Das ist nicht besonders viel und stützt die These, dass Kohlendioxid zu unbedeutend ist, um die Ursache für irgendwelche Klimakatastrophen sein zu können.
Weiter:
Um die Energie der ins All abwandernden IR-Strahlung zu absorbieren oder einzufangen, muss das Gasmolekül ein so genanntes veränderliches elektrisches Dipolmoment ausbilden können - also ein positiv geladenes und ein negativ geladenes Ende besitzen, deren Lage bzw. Stärke sich im Verlauf einer Bewegung (Drehung oder Schwingung) ändern.
Das ist deshalb notwendig, weil IR-Strahlung
elektromagnetische Strahlung ist (genau wie
Röntgen-, Mikrowellen-, Radio oder UV-Strahlung
auch), die aus wandernden elektrischen Feldern
besteht und deshalb mit elektrischen Dipolen
interagiert. Diese veränderlichen Dipole dienen
dann als Antennen, die die Energie dieser
Strahlung aufnehmen. Mehr noch: Da
IR-Strahlung einen bestimmten Frequenzbereich
aufweist, muss die entsprechende Antenne auch in
genau diesem Frequenzbereich angeregt werden können
- genau so, wie man die Antenne eines Radios auf
eine bestimmte Senderfrequenz einstellt.
Um einen Dipol auszubilden muss das Molekül aus
mindestens zwei unterschiedlichen chemischen
Elementen zusammengesetzt sein, was bewirkt, dass
die Ladungen im Molekül nicht gleichmäßig verteilt
sind.
Die Moleküle des Sauerstoffs und Stickstoffs (O2 und N2) bestehen aus jeweils zwei Atomen des gleichen Elements (nämlich O und N). Argon besteht sogar nur aus einem einzigen Argon-Atom. Sie alle verfügen deshalb über keinerlei Dipolmoment und können folglich auch keine IR-Strahlung absorbieren. Das sind 99% der Atmosphärengase!
Anders ist es beim Kohlendioxid: Es besteht aus zwei verschiedenen Elementen (nämlich Kohlenstoff C und Sauerstoff O). Es kann deshalb einen Dipol entwickeln und ist im Gegensatz zu den allermeisten anderen Atmosphärengasen dazu in der Lage, IR-Strahlung zu absorbieren: Seine Moleküle lassen sich genau im fraglichen Frequenzbereich zu Schwingungen anregen. CO2 ist eine perfekte IR-Antenne.
(Das gleiche Prinzip kennt eigentlich auch jeder schon von seinem Mikrowellenofen:
In solch einem Ofen kann man
nur Materialien erwärmen, die einen gewissen
Wasseranteil besitzen. Sind sie komplett
wasserfrei, passiert dort gar nichts. Das liegt
daran, dass Wassermoleküle (die aus den zwei
Elementen Wasserstoff und Sauerstoff bestehen) bei
einer bestimmten vom Ofen produzierten Frequenz im
Mikrowellenbereich in Bewegung (Drehung) versetzt
werden und damit ihre Umgebung aufheizen. Wasser
ist eine perfekte Mikrowellen-Antenne. Die meisten
anderen Materialien sind es nicht.)
Von den vielen Gasen in der Atmosphäre ist nur ein ganz kleiner Teil dazu fähig, die Energie der IR-Strahlung zu absorbieren. Und nur diese paar Gase sind dafür verantwortlich, dass die Durchschnittstemperatur der Erde aktuell 15°C und nicht ‒18°C beträgt. Den größten Anteil daran trägt das Kohlendioxid.
Fazit:
Obwohl der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre winzig anmutet, ist er definitiv dazu in der Lage, sehr große Wirkung zu zeigen.
Von daher wäre es nicht verwunderlich, dass eine Erhöhung des CO2-Gehalts der Atmosphäre eine massive und sogar katastrophale Temperaturerhöhung mit sich brächte.
Vor dem Jahre 1750, also vor Beginn der Industrialisierung betrug der CO2-Gehalt der Atmosphäre stabil ca. 280 ppm.
Im Jahre 1960 betrug er bereits ca. 315
ppm.
Jetzt, im Jahr 2026 sind wir bei 430 ppm, Tendenz steigend.
Das letzte Mal lag der Kohlendioxid-Gehalt bei diesem Wert vor 14 Millionen Jahren. Damals lag die Temperatur 4 bis 7 °C über der heutigen und der Meeresspiegel 20 bis 40 Meter über dem aktuellen Niveau.
Da die globale Aufheizung mit einer entsprechenden Verzögerung auftritt (ähnlich wie ein Tanker, der zeitversetzt auf Steuerung reagiert), kann man sich ausmalen, was in den kommenden Jahren auf diesem Planeten passieren wird, wenn der CO2-Ausstoß nicht radikal gesenkt (sondern sogar noch erhöht) wird.
Selbstverstärkung
Unbewusst kenne ich meinen Fehler. Genauso
unbewusst umgebe ich mich mit Menschen bzw. suche
sie sogar auf, die den gleichen Fehler besitzen,
womöglich sogar in noch stärkerem Maße als ich. In
Extremfällen bin ich sogar ganz vernarrt in solch
einen Menschen.
Die Ursache für dieses Verhalten ist ganz simpel:
Ich verschaffe mir auf diesem Weg eine
Möglichkeit, mir selbst diesen Fehler zu verzeihen
und ihn mir sogar schönzureden. Dadurch muss ich
mich dann nicht weiter damit auseinandersetzen.
Statt ihn zu beheben und dadurch meinem Leben
eine neue, produktivere Richtung zu geben,
verstärke ich auf diese Weise den Fehler selbst.
Ich schaffe mir eine Blase.
Das Gleiche passiert übrigens auch, wenn
irgendein Algorithmus im Internet anfängt, meine
Vorlieben und Meinungen zu bedienen und
entsprechende Seiten, Videos, Artikel empfiehlt.
Am Ende glaube ich, dass die ganze Welt meiner
Meinung ist und wundere mich dann, wenn dem in der
Realität nicht so ist. In solchen Momenten
können dann Gefühle wie Ungeduld, Frustration,
Hass und sogar Aggressivität entstehen.
Die "vieja metiche" und der "alte Sack"
Der Begriff "vieja metiche" stammt aus
dem Spanischen. Er beschreibt eine alternde
Frau, die sich ständig um das Leben anderer
Menschen kümmert, darüber spricht, darin
herumrührt und sich ungefragt einmischt. Man
trifft sie in Freundeskreisen, Familien,
Kollegien, Vereinen. Die Ursache für dieses
Verhalten liegt darin begründet, dass sie ihr
eigenes Leben zunehmend als sinnlos, leer und
langweilig empfindet - und nun das Leben der
Anderen hernimmt, um sich selbst Wichtigkeit
beizumessen.
Der "alte Sack" ist ein alternder Mann,
der ständig ungefragt seine Meinung dahingehend
kundtut, wie schlimm, kaputt, verrottet und
verachtungswürdig diese Gesellschaft sei. Schuld
daran seien stets die EU, die Umweltschützer,
die Ausländer, die Schwulen, die
Wissenschaftler. Man trifft ihn an
Bushaltestellen, in Wartezimmern, in Kneipen, im
Internet. Die Ursache für dieses Verhalten liegt
in der Unfähigkeit begründet, sein eigenes Leben
konstruktiv zu gestalten - dies aber auch den
Anderen nicht gönnt, denn sie erinnern ihn
schmerzlich daran.
Mit beiden Persönlichkeitstypen habe ich hin
und wieder zu tun.
Die Welt ist immer genau das, was die
einzelnen Menschen aus ihrem eigenen Leben
machen.
Ungeduld 3
Gerade wieder beobachte ich den prinzipiellen
Unterschied zwischen einer Unternehmung, deren
Ausgang ich selbst (komplett) in der Hand
habe, und einer Unternehmung, deren Ausgang
auch vom Verhalten anderer Menschen abhängt.
Bei letzterer stellt sich an einem gewissen
Punkt immer eine Art Unwohlsein und
Gehetztheit ein. Ich finde dann keine Ruhe und
kann die Dinge auch nicht genießen bzw. in
ihrer ganzen Tiefe wahrnehmen und
wertschätzen. Alle Wahrnehmungen bleiben in
diesem Zustand oberflächlich und
unbefriedigend.
Das ist kein neues Phänomen bei mir. Neu ist
eher die Erkenntnis, dass auch hier wieder
Ungeduld die Ursache ist. Ich schaffe es
offensichtlich nicht, mich zurück zu lehnen
und dem Erfolg (oder auch Misserfolg) eines
Projektes seinen freien Lauf zu lassen.
Vielmehr glaube ich, für alles verantwortlich
zu sein und notfalls nachhelfen zu sollen. Und
da das nicht klappen kann (weil es ja nicht
nur von mir abhängt), entsteht ein Misston in
meinem Erleben.
Das kann jede Art von Unternehmung betreffen:
privat, beruflich, gesellschaftlich. Aktuell
tut es das auf allen Ebenen.
Ungeduld 2
Anhand mindestens zweier aktueller
Erlebnisstränge stoße ich auf eine
Erkenntnis, die mir immer klarer wird:
Ich neige dazu, auch dann meinem Glück
nachhelfen zu wollen, wenn es bereits vor
der Tür steht. Es handelt sich um das Laster
der Ungeduld. Aus dieser Haltung heraus
beging ich in der Vergangenheit stets meine
größten Fehler. Zum Teil waren es Fehler,
die nicht mehr korrigierbar waren, und die
ich im Nachhinein als verpasste Chancen
betrauerte.
Was da helfen würde, wäre die Bereitschaft,
den Dingen ihren Lauf zu lassen und sie
einfach nur zu beobachten - und zu genießen.
Es ist im Endeffekt eine Frage der Demut.
Somit ist Ungeduld nichts anderes als
Hochmut.
Petrokapitalismus
Vermutlich lacht man sich in der gesamten
Galaxie gerade scheckig über diesen
Planeten und seine Bewohner:
Dass man allen Ernstes so dumm sein kann,
den mühsam von der Natur in Jahrmilliarden
in die Erdkruste eingelagerten Kohlenstoff
binnen einiger Jahrzehnte zur
"Energiegewinnung" in die Atmosphäre zu
blasen, ohne auf die Folgen zu schauen.
Und das alles nur, damit einige Individuen
und Interessengrüppchen sich persönlich
bereichern können. Sogar Kriege werden aus
diesem Grunde geführt - bis hin zur
Androhung der Vernichtung ganzer
Zivilisationen.
Immerhin in China scheint man erkannt zu
haben, dass alternative Energieformen
nicht nur strategisch klüger und
umweltschonender sind, sondern inzwischen
auch billiger. Allein aus diesem Grunde
kann man getrost sagen, dass China noch am
ehesten als Land der Zukunft bezeichnet
werden kann. Der petrokapitalistische
Sack, in dem die beiden Weltmächte des
letzten Jahrhunderts (die USA und
Russland) sitzen, dürfte bald zugezogen
werden.
Ehrlichkeit
Um zu anderen Menschen ehrlich sein zu
können, muss ich zu mir selbst ehrlich
sein. Sonst kommt es zu
Missverständnissen und
Fehlentwicklungen.
Meditation
Die tägliche Meditation findet stets
zur gleichen Tageszeit und unter den
gleichen Umständen statt. Aber jedes
Mal ist sie anders.
Freude, Angst, Gehetztheit, Aufbruchstimmung, Gelassenheit, Müdigkeit u.v.m.: Stets schiebt sich ein anderer "Akteur" in den Vordergrund und paradiert da vor meinen Augen. So als wäre ich ein Laufsteg der Befindlichkeiten.
Auflösung durch Gelassenheit
Bedingt durch gewisse aktuelle
Entwicklungen finde ich mich in
diesen Tagen in einem Zustand
wieder, den ich aus vergangenen
Jahrzehnten bereits ziemlich gut
kenne. Es ist, als wäre ich in einer
Zeitmaschine mehrere Jahrzehnte
zurück in die Vergangenheit gereist.
Und das macht sich sowohl emotional
als auch körperlich bemerkbar.
Zwischendurch kommen Ängste auf,
ich könnte in einem ewigen Karussell
gefangen sein, aus dem es kein
Entrinnen gibt und in dem sich die
Dinge ständig wiederholen.
Dann aber wieder fällt mir auf,
dass sich eben doch etwas verändert
hat. Aber was? Die Umstände sind es
jedenfalls nicht. Ich bin zwar etwas
älter geworden, aber ansonsten sind
die Rahmenbedingungen denen der
Vergangenheit sehr, sehr ähnlich.
Nein, was sich wirklich geändert
hat, ist meine Einstellung zu dieser
Angelegenheit. Ich fühle mich nicht
mehr dazu herausgefordert, das
Absonderliche an der Sache "in den
Griff" zu bekommen, sondern schaffe
es besser als damals, das Ganze
einfach nur staunend zu betrachten
und geschehen zu lassen.
Es könnte sein, dass dies der
geeignete Weg ist, diese Sache zu
einem friedvollen Ende zu bringen.
Ungeduld
In diesen Tagen begegne ich
wieder meiner alten Bekannten, der
Ungeduld.
Das äußert sich darin, dass ich
eben noch Freude darüber empfinde,
nun dies oder jenes zu tun, mich
im nächsten Moment aber dabei
erwische, wie ich mich schlecht
fühle (bis hin zu körperlichen
Symptomen), weil ich etwas anderes
nicht gleichzeitig machen kann.
Es ist ein Gefühl des
Verlorenseins in einem Überangebot
an Aktivität bzw. in dem Anspruch,
alle möglichen Dinge erledigen zu
wollen. Das mündet dann nicht
selten in Verwirrung,
Enttäuschung, Unwohlsein,
Frustration - alles aber
unterschwellig, ohne dass es ganz
direkt greifbar wäre.
Ich nenne dies eine "alte
Bekannte", denn so weit ich mich
erinnern kann, war ich bereits als
Kind und Jugendlicher so veranlagt
- zumindest mehr als etwa mein
Bruder oder andere Kinder, mit
denen ich zu tun hatte. Und auch
damals litt ich zeitweise
darunter, denn ich erfuhr durch
diese Eigenschaft nicht selten
Ablehnung - ganz abgesehen von
meiner eigenen Aufgewühltheit und
Frustration angesichts
irgendwelcher Dinge, die ich tun
wollte, aber nicht konnte.
Es läuft darauf hinaus, den
Gegenspieler dieser Ungeduld, die
Geduld zu üben.
In diesem Sinne merke ich immer
wieder (und so auch jetzt, wo der
Frühling beginnt), dass eine gute
diesbezügliche Methode das
Gärtnern ist. Hier kann ich durch
nichts das Wachstum beschleunigen.
Es ist wie es ist. Mehr noch: Ich
sehe ganz direkt die Schäden, die
ich anrichte, wenn ich getrieben
von Ungeduld zu viel des Guten
tue. Da ist die Natur der perfekte
Lehrmeister.
Der Verstand
Vögel haben Flügel, damit sie
fliegen können. Haie besitzen
nachwachsende Zähne, damit sie
stets für die Jagd bereit sein
können. Stabschrecken besitzen
eine perfekte Tarnung, um im
Dschungel zu bestehen.
Jedes Lebewesen besitzt eine
besondere Eigenschaft, die es
befähigt, sein ganz besonderes
Leben zu führen.
Und was besitzt der Mensch?
Der Mensch besitzt seinen
Verstand. Das stark entwickelte
Denken (und die damit eng
verbundene Sprache) ist das, was
ihn von seinen planetaren
Mitbewohnern unterscheidet. Es
ist kein fundamentaler
Unterschied, denn auch Tiere
können denken. Es ist eher ein
quantitativer Unterschied:
Menschen denken mehr und
intensiver als Tiere. So wie
etwa Menschen auch Zähne haben,
aber eben nicht so viele und so
gute wie Haie.
Nun beobachte ich folgendes: Es
gibt Strömungen, vor Allem in
der sich selbst so nennenden
"spirituellen" Szene, die dazu
übergegangen sind, den Verstand
zu verteufeln. Er wird als
Wurzel allen Übels festgemacht,
als Sündenbock für alles, was
schief läuft. Da wird an
Techniken gefeilt, wie man
seinen Verstand ausschalten
könnte, da werden Situationen
inszeniert, um den Verstand zu
diskreditieren, da werden
Menschen ins Lächerliche
gezogen, die versuchen, ihren
Verstand richtig zu benutzen.
Auch mich beeindruckten
derartige Theorien zeitweise.
Schließlich bieten sie eine
einfache Lösung: Wenn etwas
nicht so läuft wie gewünscht,
dann werfe ich es einfach weg.
Der Punkt ist jedoch: Kein
Vogel käme auf die Idee, sich
die Flügel abzuschneiden, nur
weil er einmal aus Versehen
gegen einen Baum geflogen oder
falsch gelandet ist. Kein Hai
käme auf die Idee, sich die
Zähne ziehen zu lassen, nur weil
ihm ein Opfer entwischt ist.
Jede Fähigkeit, die die Natur
ihren Geschöpfen (darunter auch
uns Menschen) übereignet hat,
ist nicht perfekt, sondern soll
geübt und ihr Gebrauch
verfeinert werden.
So auch der Verstand.
Ich habe mich in der
Vergangenheit viel zu sehr mit
der Dümmlichkeit derer
auseinandergesetzt, die den
Verstand als Fluch betrachten.
Natürlich kenne ich die
Schleifen des Verstandes, seine
Selbstverstärkung bei sinnlosen
Angelegenheiten, sein
Geblähtsein, seine
Wichtigtuerei, seine Irrwege.
Aber gerade deshalb ist es
wichtig, zu lernen, meinen
Verstand richtig zu gebrauchen.
Ansonsten werde ich nie ein
richtiger Mensch sein.
Was ist Freude?
Als wir vereinbart hatten,
dass ich dieses zusätzliche
Arbeitspensum übernehmen
würde, freute ich mich darauf.
Auf die neuen Erfahrungen, auf
die Abwechslung.
Als wir diese Vereinbarung
nun bereits im Vorfeld doch
wieder strichen, weil die
gesamten Umstände sich
geändert hatten, empfand ich
wieder Freude. Auf die
gewonnene Zeit und die damit
verbundenen Möglichkeiten.
Es ist schon seltsam, das mit
der Freude!
Traum vom Vertrauen
Ich befinde mich
(zusammen mit M.) in einem
Flugzeug. Es ist kein
gewöhnliches Flugzeug,
eher eine Wohnung, eine
sehr große Wohnung. Wir
befinden uns auf einem
Langstreckenflug, der uns
in ein fernes Land, zu
einem neuen Wohnort
bringt. Wir sind die
einzigen an Bord und ganz
auf uns alleine gestellt.
Bei mir stellt sich ein
zwiespältiges Gefühl ein:
Es ist mir einerseits
unwohl dabei, dass es in
dieser Situation nur uns
und das Flugzeug gibt, das
selbstständig zu fliegen
scheint. Wir haben keine
Möglichkeit, das Flugzeug
zu lenken oder zu
beeinflussen.
Andererseits verspüre
ich ein sehr tiefes
Urvertrauen, dass alles
gut so ist, wie es ist,
und dass das Flugzeug uns
sicher an unseren
Bestimmungsort bringen
wird. Dieses Urvertrauen
erreicht seinen Höhepunkt,
als ich bemerke, dass wir
bereits landen und aus dem
Fenster Lichter unserer
Zielstadt erblicke. Freude
stellt sich ein.
...
Das Flugzeug steht für die
"Reise des Lebens", also für
das Lebens selbst. Der Traum
behandelt das Thema der
Angst angesichts von
Entwicklungen, die ich nicht
beeinflussen kann, die aber
dennoch existenziell sind.
Dazu zählen etwa
weltpolitische Verwerfungen,
alltägliche Bedrohungen bis
hin zu gesundheitlichen
Gefahren wie Krankheiten und
auch die Aussicht darauf,
alt und gebrechlich zu
werden.
Die meisten dieser Dinge
kann ich nicht verändern
oder beeinflussen. Deshalb
ist es müßig, dagegen
anzukämpfen - und davor
Angst zu haben. Was mir
bleibt, ist auf das
Urvertrauen ins Leben selbst
zu setzen.
Der Niedergang einer Weltmacht
Geradezu im Zeitraffer
kann man in diesen Tagen
den Niedergang der größten
Weltmacht der Gegenwart
beobachten. Es ist eine
wirklich spannende Zeit!
Die Rede ist natürlich von
den USA, die gerade dabei
sind, ihre Macht zu
verspielen. Dies ist vor
Allem deshalb möglich,
weil die entscheidenden
Akteure in diesem Land
ganz offensichtlich nicht
verstanden haben, worauf
die Sonderstellung ihres
Landes in der Welt während
der letzten Jahrzehnte
wirklich beruhte.
Offensichtlich wird da
geglaubt, es wären in
erster Linie militärische
und wirtschaftliche
Fähigkeiten gewesen, die
den USA die
Vormachtstellung
ermöglicht hätten. Und ja:
In gewisser Weise spielten
(und spielen) diese Dinge
eine Rolle bei der
Machtausübung. Aber beide
sind lediglich Werkzeuge
und keine Ursachen,
beruhen sie ihrerseits
noch auf etwas ganz
Anderem, viel Wichtigerem:
Seit Jahrhunderten waren
die USA mit ihrem
Versprechen von Freiheit,
Recht und Toleranz der
große Leuchtturm für alle
Gedemütigten, Verfolgten,
Tyrannisierten aber auch
Kreativen,
Unternehmungslustigen,
Optimisten dieser Welt.
Sie zog es in die USA und
sie waren es, die mit
Ihrer Begeisterung für
diese Gesellschaft dazu
beitrugen, die
amerikanische Wirtschafts-
und dann auch Militärmacht
aufzubauen.
Ebenso war es pure
Sympathie für das
amerikanische
Gesellschaftsmodell,
welche die USA zum Vorbild
jener Leute in fast allen
Ländern der Welt werden
ließen, die zwar nicht
dorthin auswanderten,
jedoch die amerikanischen
Ideale in ihren jeweiligen
Ländern zu leben
versuchten. Damit prägten
sie ihre Länder im
amerikanischen Sinne.
Gleichzeitig verstanden
es die USA stets, als
verlässlicher
Vertragspartner zu gelten
und auf diese Weise
Allianzen der
Rechtmäßigkeit zu
schmieden - Allianzen, die
es den USA ermöglichten,
den Planeten zu führen
ohne ihn zu kujonieren.
In dieser Weise ent- und bestand das amerikanische Imperium aus Menschen und Völkern, die den USA bzw. ihrem Gesellschaftsmodell aus Sympathie und Freundschaft folgten und es weitertrugen.
So, und nur so wurden
die USA zur Weltmacht.
Und das ändert sich
gerade ganz gehörig:
Angeführt von einem
überforderten Präsidenten
schlagen sich die USA
derzeit auf die Seite
jener Länder, die mit
Gewalt statt mit Respekt
"herrschen" wollen, mit
Engstirnigkeit statt mit
Kompromiss, mit Angst
statt mit Freude. Zwar
wird diese Strategie
mittelfristig dazu führen,
dass die USA sich in
irgendeiner kriegerischen
Art und Weise "mächtig"
fühlen dürfen, jedoch wird
die wahre Basis des Landes
zerstört.
So spielen die USA ab
jetzt in der Liga der
mittelmäßigen Wadenbeißer
mit, die zwar viel Schaden
anrichten können, die aber
keine zivilisatorische
Leuchtturmfunktion haben.
Und damit sind die USA
in absehbarer Zeit keine
Weltmacht mehr.
Gefühle und Physis
Und da ist noch ein
weiterer Elefant im
Raum:
Immer wieder erlebe ich
es, dass irgendeine
körperliche Lästigkeit
(wie z.B. letzthin eine
Krankheit) direkt meine
Gedankenwelt
beeinflusst. Dann kommen
pessimistische Gedanken
auf, ich mache mir
Sorgen um dies und jenes
und gebe in der Folge
auch negative Äußerungen
von mir.
Gleichzeitig beobachte
ich auch, dass dieser
Veränderung der Gedanken
in Wirklichkeit etwas
anderes voraus geht:
eine Veränderung meiner
Gefühle. Pessimismus und
Angst sind ja primär
Gefühle, keine Gedanken.
Die kommen erst danach,
als "pessimistische
Gedanken", "Sorgen"
usw..
Der springende Punkt
dabei ist: Zuerst kommen
die Gefühle und dann
kommen die entsprechend
eingefärbten Gedanken.
Und den Gefühlen
wiederum ist die
physische Veränderung
vorgeschaltet (Beispiel
Krankheit).
"Ich" bin bei dieser
Betrachtungsweise eine
Abfolge von physischen
Veränderungen, dadurch
ausgelösten Gefühlen und
Gedanken, die am Ende
Taten bewirken können.
Gedanken
sind Worte
Den gestrigen Eintrag
muss ich korrigieren
bzw. ergänzen:
Gedanken sind Worte.
Die Software meines
Verstandes ist die
Sprache. Wenn meine
Gedanken sich auf
sinnvolle Weise
entwickeln, dann
bedienen sie sich der
Sprache. Aber auch
wenn meine Gedanken
sinnlos kreisen, dann
verwenden sie für ihr
Geplapper die Sprache.
Ich kann sie (z.B.
beim Meditieren) als
Worte wahrnehmen. Und
deshalb könnte man
hier einen neuen
Begriff einführen:
Gedankenworte.
Diese Erkenntnis
erscheint mit gerade
wie der Elefant, der
im Raume steht. Die
einzige
Unterscheidung, die es
hier noch gibt, ist
die zwischen
unausgesprochenen
Worten und
ausgesprochenen
Worten. Letztere sind
den Taten zuzuordnen,
erstere den Gedanken.
Die Korrektur sieht
folglich so aus:
Gedanken und Worte
sind das Gleiche. Sie
sind aus dem gleichen
Holz geschnitzt: der
Sprache. Gedankenworte
können Taten bewirken.
Taten sind dann
umgesetzte
Gedankenworte.
Lüge
Gedanken werden zu
Worten, Worte werden
zu Taten.
Taten sind
materialisierte Worte,
Worte sind
ausgesprochene
Gedanken.
Lüge entsteht da, wo
diese Abfolge aus
irgendeinem Grund
gestört ist. Etwa weil
die Tat nicht
angemessen vollzogen
wird, weil keine
passenden Worte
gefunden werden, weil
eine Flut von
Ablenkungen den
Gedankengang verwirrt.
Lüge heißt demnach
also gleichermaßen die
Lüge des Selbstbetrugs
durch Gedanken, die
Lüge durch falsch
verwendete Worte, die
Lüge der
unreflektierten Tat.
Menschen, denen dies
geschieht, sehe ich
immer besser an, wie
es um sie steht. Das
betrifft
Arbeitskolleginnen
genau so wie
Präsidenten von großen
Ländern, den Bäcker an
der Ecke oder einen so
genannten
"spirituellen Lehrer".
Ich erkenne einfach,
dass es da einen
Knacks in der
genannten Abfolge
gibt, offensichtliche
Widersprüche im
Dasein.
Erkennen kann ich es
nur deshalb, weil
diese störanfällige
Abfolge auch in mir
selbst abläuft -
inklusive eingebauter
Disharmonien, sprich:
Lügen.
Ausmaß und Relevanz
von Lügen
unterscheiden sich
aber sehr von Tag zu
Tag und eben auch von
Mensch zu Mensch. Und
diesen Unterschied
sollte ich immer im
Auge behalten. Es ist
nämlich durchaus etwas
anderes, ob mein
Zahnarzt
vertrauenswürdig ist
(oder nicht) oder die
Sitznachbarin im Bus.
Zumindest in der
Regel.
Buße
In dem Buch über den
Talmud, das ich gerade
lese, wird immer
wieder die
Notwendigkeit
hervorgehoben, Buße zu
tun. Alte Bücher,
altmodische Sprache.
Gemeint ist damit
aber nicht, bei einem
Fehltritt in Sack und
Asche zu gehen und
sich zu ducken wie ein
geprügelter Hund.
Gemeint ist vielmehr,
den Fehltritt
überhaupt als solchen
anzuerkennen. Der
Rest, also das, was
man Läuterung oder
Heilung nennen könnte,
kommt von alleine.
Mitunter sogar im
selben Augenblick.
Meister
Gestern lernte ich einen echten Meister kennen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Bislang kannte ich lediglich einen anderen Meister, nämlich A..
Menschen dieser Art erkennt man daran, dass sie ihre Arbeit mit Ernsthaftigkeit angehen - und dass sie den anderen Menschen mit Brüderlichkeit begegnen ohne ihre Freiheit aufzugeben. Sie beherrschen sich selbst und wirken darin als Vorbilder. Sie sind lebendig durch und durch, und können lachen und schimpfen, dass die Wände wackeln - und alles dazwischen auch. Ihr Handwerk beherrschen sie perfekt - sei es als Elektroingenieur, Gärtner, Wirt.
Wie wohltuend anders sind sie als jene selbst ernannten Meister im Internet, die den Menschen dieses Planeten durch Eigenlob Kompetenzen vorgaukeln, ihnen Verhaltensweisen nahelegen und sogar politische Botschaften (zumeist autoritärer Natur) ins Ohr träufeln. Ich erkenne sie oft schon an ihrem hämischen Gehüstel, das sie selbst wohl als Lachen verstanden wissen wollen. Influencer.
In mir selbst erzeugt die Begegnung mit einem echten Meister die Rückbesinnung auf das Lebendige in mir - auf die Notwendigkeit mithin, keine Minute meines Lebens zu verschwenden.