Einschau Blog
Meditation
Die tägliche Meditation findet stets zur gleichen
Tageszeit und unter den gleichen Umständen statt. Aber
jedes Mal ist sie anders.
Freude, Angst, Gehetztheit, Aufbruchstimmung, Gelassenheit, Müdigkeit u.v.m.: Stets schiebt sich ein anderer "Akteur" in den Vordergrund und paradiert da vor meinen Augen. So als wäre ich ein Laufsteg der Befindlichkeiten.
Auflösung durch Gelassenheit
Bedingt durch gewisse aktuelle Entwicklungen finde
ich mich in diesen Tagen in einem Zustand wieder,
den ich aus vergangenen Jahrzehnten bereits ziemlich
gut kenne. Es ist, als wäre ich in einer
Zeitmaschine mehrere Jahrzehnte zurück in die
Vergangenheit gereist. Und das macht sich sowohl
emotional als auch körperlich bemerkbar.
Zwischendurch kommen Ängste auf, ich könnte in
einem ewigen Karussell gefangen sein, aus dem es
kein Entrinnen gibt und in dem sich die Dinge
ständig wiederholen.
Dann aber wieder fällt mir auf, dass sich eben doch
etwas verändert hat. Aber was? Die Umstände sind es
jedenfalls nicht. Ich bin zwar etwas älter geworden,
aber ansonsten sind die Rahmenbedingungen denen der
Vergangenheit sehr, sehr ähnlich.
Nein, was sich wirklich geändert hat, ist meine
Einstellung zu dieser Angelegenheit. Ich fühle mich
nicht mehr dazu herausgefordert, das Absonderliche
an der Sache "in den Griff" zu bekommen, sondern
schaffe es besser als damals, das Ganze einfach nur
staunend zu betrachten und geschehen zu lassen.
Es könnte sein, dass dies der geeignete Weg ist,
diese Sache zu einem friedvollen Ende zu bringen.
Ungeduld
In diesen Tagen begegne ich wieder meiner alten
Bekannten, der Ungeduld.
Das äußert sich darin, dass ich eben noch Freude
darüber empfinde, nun dies oder jenes zu tun, mich
im nächsten Moment aber dabei erwische, wie ich
mich schlecht fühle (bis hin zu körperlichen
Symptomen), weil ich etwas anderes nicht
gleichzeitig machen kann.
Es ist ein Gefühl des Verlorenseins in einem
Überangebot an Aktivität bzw. in dem Anspruch,
alle möglichen Dinge erledigen zu wollen. Das
mündet dann nicht selten in Verwirrung,
Enttäuschung, Unwohlsein, Frustration - alles aber
unterschwellig, ohne dass es ganz direkt greifbar
wäre.
Ich nenne dies eine "alte Bekannte", denn so weit
ich mich erinnern kann, war ich bereits als Kind
und Jugendlicher so veranlagt - zumindest mehr als
etwa mein Bruder oder andere Kinder, mit denen ich
zu tun hatte. Und auch damals litt ich zeitweise
darunter, denn ich erfuhr durch diese Eigenschaft
nicht selten Ablehnung - ganz abgesehen von meiner
eigenen Aufgewühltheit und Frustration angesichts
irgendwelcher Dinge, die ich tun wollte, aber
nicht konnte.
Es läuft darauf hinaus, den Gegenspieler dieser
Ungeduld, die Geduld zu üben.
In diesem Sinne merke ich immer wieder (und so
auch jetzt, wo der Frühling beginnt), dass eine
gute diesbezügliche Methode das Gärtnern ist. Hier
kann ich durch nichts das Wachstum beschleunigen.
Es ist wie es ist. Mehr noch: Ich sehe ganz direkt
die Schäden, die ich anrichte, wenn ich getrieben
von Ungeduld zu viel des Guten tue. Da ist die
Natur der perfekte Lehrmeister.
Der Verstand
Vögel haben Flügel, damit sie fliegen können.
Haie besitzen nachwachsende Zähne, damit sie
stets für die Jagd bereit sein können.
Stabschrecken besitzen eine perfekte Tarnung, um
im Dschungel zu bestehen.
Jedes Lebewesen besitzt eine besondere
Eigenschaft, die es befähigt, sein ganz
besonderes Leben zu führen.
Und was besitzt der Mensch?
Der Mensch besitzt seinen Verstand. Das stark
entwickelte Denken (und die damit eng verbundene
Sprache) ist das, was ihn von seinen planetaren
Mitbewohnern unterscheidet. Es ist kein
fundamentaler Unterschied, denn auch Tiere
können denken. Es ist eher ein quantitativer
Unterschied: Menschen denken mehr und intensiver
als Tiere. So wie etwa Menschen auch Zähne
haben, aber eben nicht so viele und so gute wie
Haie.
Nun beobachte ich folgendes: Es gibt
Strömungen, vor Allem in der sich selbst so
nennenden "spirituellen" Szene, die dazu
übergegangen sind, den Verstand zu verteufeln.
Er wird als Wurzel allen Übels festgemacht, als
Sündenbock für alles, was schief läuft. Da wird
an Techniken gefeilt, wie man seinen Verstand
ausschalten könnte, da werden Situationen
inszeniert, um den Verstand zu diskreditieren,
da werden Menschen ins Lächerliche gezogen, die
versuchen, ihren Verstand richtig zu benutzen.
Auch mich beeindruckten derartige Theorien
zeitweise. Schließlich bieten sie eine einfache
Lösung: Wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht,
dann werfe ich es einfach weg.
Der Punkt ist jedoch: Kein Vogel käme auf die
Idee, sich die Flügel abzuschneiden, nur weil er
einmal aus Versehen gegen einen Baum geflogen
oder falsch gelandet ist. Kein Hai käme auf die
Idee, sich die Zähne ziehen zu lassen, nur weil
ihm ein Opfer entwischt ist. Jede Fähigkeit, die
die Natur ihren Geschöpfen (darunter auch uns
Menschen) übereignet hat, ist nicht perfekt,
sondern soll geübt und ihr Gebrauch verfeinert
werden.
So auch der Verstand.
Ich habe mich in der Vergangenheit viel zu sehr
mit der Dümmlichkeit derer auseinandergesetzt,
die den Verstand als Fluch betrachten. Natürlich
kenne ich die Schleifen des Verstandes, seine
Selbstverstärkung bei sinnlosen Angelegenheiten,
sein Geblähtsein, seine Wichtigtuerei, seine
Irrwege. Aber gerade deshalb ist es wichtig, zu
lernen, meinen Verstand richtig zu
gebrauchen. Ansonsten werde ich nie ein
richtiger Mensch sein.
Was ist Freude?
Als wir vereinbart hatten, dass ich dieses
zusätzliche Arbeitspensum übernehmen würde,
freute ich mich darauf. Auf die neuen
Erfahrungen, auf die Abwechslung.
Als wir diese Vereinbarung nun bereits im
Vorfeld doch wieder strichen, weil die
gesamten Umstände sich geändert hatten,
empfand ich wieder Freude. Auf die gewonnene
Zeit und die damit verbundenen Möglichkeiten.
Es ist schon seltsam, das mit der Freude!
Traum vom Vertrauen
Ich befinde mich (zusammen mit M.) in
einem Flugzeug. Es ist kein gewöhnliches
Flugzeug, eher eine Wohnung, eine sehr
große Wohnung. Wir befinden uns auf einem
Langstreckenflug, der uns in ein fernes
Land, zu einem neuen Wohnort bringt. Wir
sind die einzigen an Bord und ganz auf uns
alleine gestellt. Bei mir stellt sich ein
zwiespältiges Gefühl ein:
Es ist mir einerseits unwohl dabei, dass
es in dieser Situation nur uns und das
Flugzeug gibt, das selbstständig zu
fliegen scheint. Wir haben keine
Möglichkeit, das Flugzeug zu lenken oder
zu beeinflussen.
Andererseits verspüre ich ein sehr
tiefes Urvertrauen, dass alles gut so ist,
wie es ist, und dass das Flugzeug uns
sicher an unseren Bestimmungsort bringen
wird. Dieses Urvertrauen erreicht seinen
Höhepunkt, als ich bemerke, dass wir
bereits landen und aus dem Fenster Lichter
unserer Zielstadt erblicke. Freude stellt
sich ein.
...
Das Flugzeug steht für die "Reise des
Lebens", also für das Lebens selbst. Der
Traum behandelt das Thema der Angst
angesichts von Entwicklungen, die ich nicht
beeinflussen kann, die aber dennoch
existenziell sind. Dazu zählen etwa
weltpolitische Verwerfungen, alltägliche
Bedrohungen bis hin zu gesundheitlichen
Gefahren wie Krankheiten und auch die
Aussicht darauf, alt und gebrechlich zu
werden.
Die meisten dieser Dinge kann ich nicht
verändern oder beeinflussen. Deshalb ist es
müßig, dagegen anzukämpfen - und davor Angst
zu haben. Was mir bleibt, ist auf das
Urvertrauen ins Leben selbst zu setzen.
Der Niedergang einer Weltmacht
Geradezu im Zeitraffer kann man in diesen
Tagen den Niedergang der größten Weltmacht
der Gegenwart beobachten. Es ist eine
wirklich spannende Zeit!
Die Rede ist natürlich von den USA, die
gerade dabei sind, ihre Macht zu
verspielen. Dies ist vor Allem deshalb
möglich, weil die entscheidenden Akteure
in diesem Land ganz offensichtlich nicht
verstanden haben, worauf die
Sonderstellung ihres Landes in der Welt
während der letzten Jahrzehnte wirklich
beruhte.
Offensichtlich wird da geglaubt, es wären
in erster Linie militärische und
wirtschaftliche Fähigkeiten gewesen, die
den USA die Vormachtstellung ermöglicht
hätten. Und ja: In gewisser Weise spielten
(und spielen) diese Dinge eine Rolle bei
der Machtausübung. Aber beide sind
lediglich Werkzeuge und keine Ursachen,
beruhen sie ihrerseits noch auf etwas ganz
Anderem, viel Wichtigerem:
Seit Jahrhunderten waren die USA mit
ihrem Versprechen von Freiheit, Recht und
Toleranz der große Leuchtturm für alle
Gedemütigten, Verfolgten, Tyrannisierten
aber auch Kreativen,
Unternehmungslustigen, Optimisten dieser
Welt. Sie zog es in die USA und sie waren
es, die mit Ihrer Begeisterung für diese
Gesellschaft dazu beitrugen, die
amerikanische Wirtschafts- und dann auch
Militärmacht aufzubauen.
Ebenso war es pure Sympathie für das
amerikanische Gesellschaftsmodell, welche
die USA zum Vorbild jener Leute in fast
allen Ländern der Welt werden ließen, die
zwar nicht dorthin auswanderten, jedoch
die amerikanischen Ideale in ihren
jeweiligen Ländern zu leben versuchten.
Damit prägten sie ihre Länder im
amerikanischen Sinne.
Gleichzeitig verstanden es die USA stets,
als verlässlicher Vertragspartner zu
gelten und auf diese Weise Allianzen der
Rechtmäßigkeit zu schmieden - Allianzen,
die es den USA ermöglichten, den Planeten
zu führen ohne ihn zu kujonieren.
In dieser Weise ent- und bestand das amerikanische Imperium aus Menschen und Völkern, die den USA bzw. ihrem Gesellschaftsmodell aus Sympathie und Freundschaft folgten und es weitertrugen.
So, und nur so wurden die USA zur
Weltmacht.
Und das ändert sich gerade ganz gehörig:
Angeführt von einem überforderten
Präsidenten schlagen sich die USA derzeit
auf die Seite jener Länder, die mit Gewalt
statt mit Respekt "herrschen" wollen, mit
Engstirnigkeit statt mit Kompromiss, mit
Angst statt mit Freude. Zwar wird diese
Strategie mittelfristig dazu führen, dass
die USA sich in irgendeiner kriegerischen
Art und Weise "mächtig" fühlen dürfen,
jedoch wird die wahre Basis des Landes
zerstört.
So spielen die USA ab jetzt in der Liga
der mittelmäßigen Wadenbeißer mit, die
zwar viel Schaden anrichten können, die
aber keine zivilisatorische
Leuchtturmfunktion haben.
Und damit sind die USA in absehbarer
Zeit keine Weltmacht mehr.
Gefühle und Physis
Und da ist noch ein weiterer Elefant im
Raum:
Immer wieder erlebe ich es, dass
irgendeine körperliche Lästigkeit (wie
z.B. letzthin eine Krankheit) direkt
meine Gedankenwelt beeinflusst. Dann
kommen pessimistische Gedanken auf, ich
mache mir Sorgen um dies und jenes und
gebe in der Folge auch negative
Äußerungen von mir.
Gleichzeitig beobachte ich auch, dass
dieser Veränderung der Gedanken in
Wirklichkeit etwas anderes voraus geht:
eine Veränderung meiner Gefühle.
Pessimismus und Angst sind ja primär
Gefühle, keine Gedanken. Die kommen erst
danach, als "pessimistische Gedanken",
"Sorgen" usw..
Der springende Punkt dabei ist: Zuerst
kommen die Gefühle und dann kommen die
entsprechend eingefärbten Gedanken. Und
den Gefühlen wiederum ist die physische
Veränderung vorgeschaltet (Beispiel
Krankheit).
"Ich" bin bei dieser Betrachtungsweise
eine Abfolge von physischen
Veränderungen, dadurch ausgelösten
Gefühlen und Gedanken, die am Ende Taten
bewirken können.
Gedanken sind Worte
Den gestrigen Eintrag muss ich
korrigieren bzw. ergänzen:
Gedanken sind Worte. Die Software
meines Verstandes ist die Sprache.
Wenn meine Gedanken sich auf sinnvolle
Weise entwickeln, dann bedienen sie
sich der Sprache. Aber auch wenn meine
Gedanken sinnlos kreisen, dann
verwenden sie für ihr Geplapper die
Sprache. Ich kann sie (z.B. beim
Meditieren) als Worte wahrnehmen. Und
deshalb könnte man hier einen neuen
Begriff einführen: Gedankenworte.
Diese Erkenntnis erscheint mit gerade
wie der Elefant, der im Raume steht.
Die einzige Unterscheidung, die es
hier noch gibt, ist die zwischen
unausgesprochenen Worten und
ausgesprochenen Worten. Letztere sind
den Taten zuzuordnen, erstere den
Gedanken.
Die Korrektur sieht folglich so aus:
Gedanken und Worte sind das Gleiche.
Sie sind aus dem gleichen Holz
geschnitzt: der Sprache. Gedankenworte
können Taten bewirken. Taten sind dann
umgesetzte Gedankenworte.
Lüge
Gedanken werden zu Worten, Worte
werden zu Taten.
Taten sind materialisierte Worte,
Worte sind ausgesprochene Gedanken.
Lüge entsteht da, wo diese Abfolge
aus irgendeinem Grund gestört ist.
Etwa weil äußere Zwänge die Tat
verhindern, weil Mundverbote die
Aussprache verunmöglichen, weil eine
Flut von Ablenkungen den Gedankengang
stört. Lüge heißt demnach also
gleichermaßen die Lüge des
Selbstbetrugs durch Gedanken, die Lüge
durch falsch verwendete Worte, die
Lüge der unreflektierten Tat.
Menschen, denen dies geschieht, sehe
ich immer besser an, wie es um sie
steht. Das betrifft Arbeitskolleginnen
genau so wie Präsidenten von großen
Ländern, den Bäcker an der Ecke oder
einen so genannten "spirituellen
Lehrer". Ich erkenne einfach, dass es
da einen Knacks in der genannten
Abfolge gibt, offensichtliche
Widersprüche im Dasein.
Erkennen kann ich es nur deshalb,
weil diese störanfällige Abfolge auch
in mir selbst abläuft - inklusive
eingebauter Disharmonien, sprich:
Lügen.
Ausmaß und Relevanz von Lügen
unterscheiden sich aber sehr von Tag
zu Tag und eben auch von Mensch zu
Mensch. Und diesen Unterschied sollte
ich immer im Auge behalten. Es ist
nämlich durchaus etwas anderes, ob
mein Bankier vertrauenswürdig ist
(oder nicht) oder die Sitznachbarin im
Bus. Zumindest in der Regel.
Buße
In dem Buch über den Talmud, das ich
gerade lese, wird immer wieder die
Notwendigkeit hervorgehoben, Buße zu
tun. Alte Bücher, altmodische Sprache.
Gemeint ist damit aber nicht, bei
einem Fehltritt in Sack und Asche zu
gehen und sich zu ducken wie ein
geprügelter Hund. Gemeint ist
vielmehr, den Fehltritt überhaupt als
solchen anzuerkennen. Der Rest, also
das, was man Läuterung oder Heilung
nennen könnte, kommt von alleine.
Mitunter sogar im selben Augenblick.
Meister
Gestern lernte ich einen echten Meister kennen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Bislang kannte ich lediglich einen anderen Meister, nämlich A..
Menschen dieser Art erkennt man daran, dass sie ihre Arbeit mit Ernsthaftigkeit angehen - und dass sie den anderen Menschen mit Brüderlichkeit begegnen ohne ihre Freiheit aufzugeben. Sie beherrschen sich selbst und wirken darin als Vorbilder. Sie sind lebendig durch und durch, und können lachen und schimpfen, dass die Wände wackeln - und alles dazwischen auch. Ihr Handwerk beherrschen sie perfekt - sei es als Elektroingenieur, Gärtner, Wirt.
Wie wohltuend anders sind sie als jene selbst ernannten Meister im Internet, die den Menschen dieses Planeten durch Eigenlob Kompetenzen vorgaukeln, ihnen Verhaltensweisen nahelegen und sogar politische Botschaften (zumeist autoritärer Natur) ins Ohr träufeln. Ich erkenne sie oft schon an ihrem hämischen Gehüstel, das sie selbst wohl als Lachen verstanden wissen wollen. Influencer.
In mir selbst erzeugt die Begegnung mit einem echten Meister die Rückbesinnung auf das Lebendige in mir - auf die Notwendigkeit mithin, keine Minute meines Lebens zu verschwenden.