Einschau Blog
Die "vieja metiche" und der "alte Sack"
Der Begriff "vieja metiche" stammt aus dem
Spanischen. Er beschreibt eine alternde Frau, die sich
ständig um das Leben anderer Menschen kümmert, darüber
spricht, darin herumrührt und sich ungefragt
einmischt. Man trifft sie in Freundeskreisen,
Familien, Kollegien, Vereinen. Die Ursache für dieses
Verhalten liegt darin begründet, dass sie ihr eigenes
Leben zunehmend als sinnlos, leer und langweilig
empfindet - und nun das Leben der Anderen hernimmt, um
sich selbst Wichtigkeit beizumessen.
Der "alte Sack" ist ein alternder Mann, der
ständig ungefragt seine Meinung dahingehend kundtut,
wie schlimm, kaputt, verrottet und verachtungswürdig
diese Gesellschaft sei. Schuld daran seien stets die
EU, die Umweltschützer, die Ausländer, die Schwulen,
die Wissenschaftler. Man trifft ihn an
Bushaltestellen, in Wartezimmern, in Kneipen, im
Internet. Die Ursache für dieses Verhalten liegt in
der Unfähigkeit begründet, sein eigenes Leben
konstruktiv zu gestalten - dies aber auch den Anderen
nicht gönnt, denn sie erinnern ihn schmerzlich daran.
Mit beiden Persönlichkeitstypen habe ich hin und
wieder zu tun.
Die Welt ist immer genau das, was die einzelnen
Menschen aus ihrem eigenen Leben machen.
Ungeduld 3
Gerade wieder beobachte ich den prinzipiellen
Unterschied zwischen einer Unternehmung, deren
Ausgang ich selbst (komplett) in der Hand habe, und
einer Unternehmung, deren Ausgang auch vom Verhalten
anderer Menschen abhängt.
Bei letzterer stellt sich an einem gewissen Punkt
immer eine Art Unwohlsein und Gehetztheit ein. Ich
finde dann keine Ruhe und kann die Dinge auch nicht
genießen bzw. in ihrer ganzen Tiefe wahrnehmen und
wertschätzen. Alle Wahrnehmungen bleiben in diesem
Zustand oberflächlich und unbefriedigend.
Das ist kein neues Phänomen bei mir. Neu ist eher
die Erkenntnis, dass auch hier wieder Ungeduld die
Ursache ist. Ich schaffe es offensichtlich nicht,
mich zurück zu lehnen und dem Erfolg (oder auch
Misserfolg) eines Projektes seinen freien Lauf zu
lassen. Vielmehr glaube ich, für alles
verantwortlich zu sein und notfalls nachhelfen zu
sollen. Und da das nicht klappen kann (weil es ja
nicht nur von mir abhängt), entsteht ein Misston in
meinem Erleben.
Das kann jede Art von Unternehmung betreffen:
privat, beruflich, gesellschaftlich. Aktuell tut es
das auf allen Ebenen.
Ungeduld 2
Anhand mindestens zweier aktueller
Erlebnisstränge stoße ich auf eine Erkenntnis, die
mir immer klarer wird:
Ich neige dazu, auch dann meinem Glück nachhelfen
zu wollen, wenn es bereits vor der Tür steht. Es
handelt sich um das Laster der Ungeduld. Aus
dieser Haltung heraus beging ich in der
Vergangenheit stets meine größten Fehler. Zum Teil
waren es Fehler, die nicht mehr korrigierbar
waren, und die ich im Nachhinein als verpasste
Chancen betrauerte.
Was da helfen würde, wäre die Bereitschaft, den
Dingen ihren Lauf zu lassen und sie einfach nur zu
beobachten - und zu genießen. Es ist im Endeffekt
eine Frage der Demut. Somit ist Ungeduld nichts
anderes als Hochmut.
Petrokapitalismus
Vermutlich lacht man sich in der gesamten
Galaxie gerade scheckig über diesen Planeten und
seine Bewohner:
Dass man allen Ernstes so dumm sein kann, den
mühsam von der Natur in Jahrmilliarden in die
Erdkruste eingelagerten Kohlenstoff binnen
einiger Jahrzehnte zur "Energiegewinnung" in die
Atmosphäre zu blasen, ohne auf die Folgen zu
schauen. Und das alles nur, damit einige
Individuen und Interessengrüppchen sich
persönlich bereichern können. Sogar Kriege
werden aus diesem Grunde geführt - bis hin zur
Androhung der Vernichtung ganzer Zivilisationen.
Immerhin in China scheint man erkannt zu haben,
dass alternative Energieformen nicht nur
strategisch klüger und umweltschonender sind,
sondern inzwischen auch billiger. Allein aus
diesem Grunde kann man getrost sagen, dass China
noch am ehesten als Land der Zukunft bezeichnet
werden kann. Der petrokapitalistische Sack, in
dem die beiden Weltmächte des letzten
Jahrhunderts (die USA und Russland) sitzen,
dürfte bald zugezogen werden.
Ehrlichkeit
Um zu anderen Menschen ehrlich sein zu
können, muss ich zu mir selbst ehrlich sein.
Sonst kommt es zu Missverständnissen und
Fehlentwicklungen.
Meditation
Die tägliche Meditation findet stets zur
gleichen Tageszeit und unter den gleichen
Umständen statt. Aber jedes Mal ist sie
anders.
Freude, Angst, Gehetztheit, Aufbruchstimmung, Gelassenheit, Müdigkeit u.v.m.: Stets schiebt sich ein anderer "Akteur" in den Vordergrund und paradiert da vor meinen Augen. So als wäre ich ein Laufsteg der Befindlichkeiten.
Auflösung durch Gelassenheit
Bedingt durch gewisse aktuelle
Entwicklungen finde ich mich in diesen
Tagen in einem Zustand wieder, den ich aus
vergangenen Jahrzehnten bereits ziemlich
gut kenne. Es ist, als wäre ich in einer
Zeitmaschine mehrere Jahrzehnte zurück in
die Vergangenheit gereist. Und das macht
sich sowohl emotional als auch körperlich
bemerkbar.
Zwischendurch kommen Ängste auf, ich
könnte in einem ewigen Karussell gefangen
sein, aus dem es kein Entrinnen gibt und
in dem sich die Dinge ständig wiederholen.
Dann aber wieder fällt mir auf, dass sich
eben doch etwas verändert hat. Aber was?
Die Umstände sind es jedenfalls nicht. Ich
bin zwar etwas älter geworden, aber
ansonsten sind die Rahmenbedingungen denen
der Vergangenheit sehr, sehr ähnlich.
Nein, was sich wirklich geändert hat, ist
meine Einstellung zu dieser Angelegenheit.
Ich fühle mich nicht mehr dazu
herausgefordert, das Absonderliche an der
Sache "in den Griff" zu bekommen, sondern
schaffe es besser als damals, das Ganze
einfach nur staunend zu betrachten und
geschehen zu lassen.
Es könnte sein, dass dies der geeignete
Weg ist, diese Sache zu einem friedvollen
Ende zu bringen.
Ungeduld
In diesen Tagen begegne ich wieder
meiner alten Bekannten, der Ungeduld.
Das äußert sich darin, dass ich eben
noch Freude darüber empfinde, nun dies
oder jenes zu tun, mich im nächsten
Moment aber dabei erwische, wie ich mich
schlecht fühle (bis hin zu körperlichen
Symptomen), weil ich etwas anderes nicht
gleichzeitig machen kann.
Es ist ein Gefühl des Verlorenseins in
einem Überangebot an Aktivität bzw. in
dem Anspruch, alle möglichen Dinge
erledigen zu wollen. Das mündet dann
nicht selten in Verwirrung,
Enttäuschung, Unwohlsein, Frustration -
alles aber unterschwellig, ohne dass es
ganz direkt greifbar wäre.
Ich nenne dies eine "alte Bekannte",
denn so weit ich mich erinnern kann, war
ich bereits als Kind und Jugendlicher so
veranlagt - zumindest mehr als etwa mein
Bruder oder andere Kinder, mit denen ich
zu tun hatte. Und auch damals litt ich
zeitweise darunter, denn ich erfuhr
durch diese Eigenschaft nicht selten
Ablehnung - ganz abgesehen von meiner
eigenen Aufgewühltheit und Frustration
angesichts irgendwelcher Dinge, die ich
tun wollte, aber nicht konnte.
Es läuft darauf hinaus, den
Gegenspieler dieser Ungeduld, die Geduld
zu üben.
In diesem Sinne merke ich immer wieder
(und so auch jetzt, wo der Frühling
beginnt), dass eine gute diesbezügliche
Methode das Gärtnern ist. Hier kann ich
durch nichts das Wachstum beschleunigen.
Es ist wie es ist. Mehr noch: Ich sehe
ganz direkt die Schäden, die ich
anrichte, wenn ich getrieben von
Ungeduld zu viel des Guten tue. Da ist
die Natur der perfekte Lehrmeister.
Der Verstand
Vögel haben Flügel, damit sie fliegen
können. Haie besitzen nachwachsende
Zähne, damit sie stets für die Jagd
bereit sein können. Stabschrecken
besitzen eine perfekte Tarnung, um im
Dschungel zu bestehen.
Jedes Lebewesen besitzt eine besondere
Eigenschaft, die es befähigt, sein
ganz besonderes Leben zu führen.
Und was besitzt der Mensch?
Der Mensch besitzt seinen Verstand.
Das stark entwickelte Denken (und die
damit eng verbundene Sprache) ist das,
was ihn von seinen planetaren
Mitbewohnern unterscheidet. Es ist
kein fundamentaler Unterschied, denn
auch Tiere können denken. Es ist eher
ein quantitativer Unterschied:
Menschen denken mehr und intensiver
als Tiere. So wie etwa Menschen auch
Zähne haben, aber eben nicht so viele
und so gute wie Haie.
Nun beobachte ich folgendes: Es gibt
Strömungen, vor Allem in der sich
selbst so nennenden "spirituellen"
Szene, die dazu übergegangen sind, den
Verstand zu verteufeln. Er wird als
Wurzel allen Übels festgemacht, als
Sündenbock für alles, was schief
läuft. Da wird an Techniken gefeilt,
wie man seinen Verstand ausschalten
könnte, da werden Situationen
inszeniert, um den Verstand zu
diskreditieren, da werden Menschen ins
Lächerliche gezogen, die versuchen,
ihren Verstand richtig zu benutzen.
Auch mich beeindruckten derartige
Theorien zeitweise. Schließlich bieten
sie eine einfache Lösung: Wenn etwas
nicht so läuft wie gewünscht, dann
werfe ich es einfach weg.
Der Punkt ist jedoch: Kein Vogel käme
auf die Idee, sich die Flügel
abzuschneiden, nur weil er einmal aus
Versehen gegen einen Baum geflogen
oder falsch gelandet ist. Kein Hai
käme auf die Idee, sich die Zähne
ziehen zu lassen, nur weil ihm ein
Opfer entwischt ist. Jede Fähigkeit,
die die Natur ihren Geschöpfen
(darunter auch uns Menschen)
übereignet hat, ist nicht perfekt,
sondern soll geübt und ihr Gebrauch
verfeinert werden.
So auch der Verstand.
Ich habe mich in der Vergangenheit
viel zu sehr mit der Dümmlichkeit
derer auseinandergesetzt, die den
Verstand als Fluch betrachten.
Natürlich kenne ich die Schleifen des
Verstandes, seine Selbstverstärkung
bei sinnlosen Angelegenheiten, sein
Geblähtsein, seine Wichtigtuerei,
seine Irrwege. Aber gerade deshalb ist
es wichtig, zu lernen, meinen
Verstand richtig zu gebrauchen.
Ansonsten werde ich nie ein richtiger
Mensch sein.
Was ist Freude?
Als wir vereinbart hatten, dass ich
dieses zusätzliche Arbeitspensum
übernehmen würde, freute ich mich
darauf. Auf die neuen Erfahrungen,
auf die Abwechslung.
Als wir diese Vereinbarung nun
bereits im Vorfeld doch wieder
strichen, weil die gesamten Umstände
sich geändert hatten, empfand ich
wieder Freude. Auf die gewonnene
Zeit und die damit verbundenen
Möglichkeiten.
Es ist schon seltsam, das mit der
Freude!
Traum vom Vertrauen
Ich befinde mich (zusammen mit
M.) in einem Flugzeug. Es ist
kein gewöhnliches Flugzeug, eher
eine Wohnung, eine sehr große
Wohnung. Wir befinden uns auf
einem Langstreckenflug, der uns
in ein fernes Land, zu einem
neuen Wohnort bringt. Wir sind
die einzigen an Bord und ganz
auf uns alleine gestellt. Bei
mir stellt sich ein
zwiespältiges Gefühl ein:
Es ist mir einerseits unwohl
dabei, dass es in dieser
Situation nur uns und das
Flugzeug gibt, das selbstständig
zu fliegen scheint. Wir haben
keine Möglichkeit, das Flugzeug
zu lenken oder zu beeinflussen.
Andererseits verspüre ich ein
sehr tiefes Urvertrauen, dass
alles gut so ist, wie es ist,
und dass das Flugzeug uns sicher
an unseren Bestimmungsort
bringen wird. Dieses Urvertrauen
erreicht seinen Höhepunkt, als
ich bemerke, dass wir bereits
landen und aus dem Fenster
Lichter unserer Zielstadt
erblicke. Freude stellt sich
ein.
...
Das Flugzeug steht für die "Reise
des Lebens", also für das Lebens
selbst. Der Traum behandelt das
Thema der Angst angesichts von
Entwicklungen, die ich nicht
beeinflussen kann, die aber
dennoch existenziell sind. Dazu
zählen etwa weltpolitische
Verwerfungen, alltägliche
Bedrohungen bis hin zu
gesundheitlichen Gefahren wie
Krankheiten und auch die Aussicht
darauf, alt und gebrechlich zu
werden.
Die meisten dieser Dinge kann ich
nicht verändern oder beeinflussen.
Deshalb ist es müßig, dagegen
anzukämpfen - und davor Angst zu
haben. Was mir bleibt, ist auf das
Urvertrauen ins Leben selbst zu
setzen.
Der Niedergang einer Weltmacht
Geradezu im Zeitraffer kann man
in diesen Tagen den Niedergang
der größten Weltmacht der
Gegenwart beobachten. Es ist
eine wirklich spannende Zeit!
Die Rede ist natürlich von den
USA, die gerade dabei sind, ihre
Macht zu verspielen. Dies ist
vor Allem deshalb möglich, weil
die entscheidenden Akteure in
diesem Land ganz offensichtlich
nicht verstanden haben, worauf
die Sonderstellung ihres Landes
in der Welt während der letzten
Jahrzehnte wirklich beruhte.
Offensichtlich wird da
geglaubt, es wären in erster
Linie militärische und
wirtschaftliche Fähigkeiten
gewesen, die den USA die
Vormachtstellung ermöglicht
hätten. Und ja: In gewisser
Weise spielten (und spielen)
diese Dinge eine Rolle bei der
Machtausübung. Aber beide sind
lediglich Werkzeuge und keine
Ursachen, beruhen sie ihrerseits
noch auf etwas ganz Anderem,
viel Wichtigerem:
Seit Jahrhunderten waren die
USA mit ihrem Versprechen von
Freiheit, Recht und Toleranz der
große Leuchtturm für alle
Gedemütigten, Verfolgten,
Tyrannisierten aber auch
Kreativen,
Unternehmungslustigen,
Optimisten dieser Welt. Sie zog
es in die USA und sie waren es,
die mit Ihrer Begeisterung für
diese Gesellschaft dazu
beitrugen, die amerikanische
Wirtschafts- und dann auch
Militärmacht aufzubauen.
Ebenso war es pure Sympathie
für das amerikanische
Gesellschaftsmodell, welche die
USA zum Vorbild jener Leute in
fast allen Ländern der Welt
werden ließen, die zwar nicht
dorthin auswanderten, jedoch die
amerikanischen Ideale in ihren
jeweiligen Ländern zu leben
versuchten. Damit prägten sie
ihre Länder im amerikanischen
Sinne.
Gleichzeitig verstanden es die
USA stets, als verlässlicher
Vertragspartner zu gelten und
auf diese Weise Allianzen der
Rechtmäßigkeit zu schmieden -
Allianzen, die es den USA
ermöglichten, den Planeten zu
führen ohne ihn zu kujonieren.
In dieser Weise ent- und bestand das amerikanische Imperium aus Menschen und Völkern, die den USA bzw. ihrem Gesellschaftsmodell aus Sympathie und Freundschaft folgten und es weitertrugen.
So, und nur so wurden die
USA zur Weltmacht.
Und das ändert sich gerade ganz
gehörig:
Angeführt von einem
überforderten Präsidenten
schlagen sich die USA derzeit
auf die Seite jener Länder, die
mit Gewalt statt mit Respekt
"herrschen" wollen, mit
Engstirnigkeit statt mit
Kompromiss, mit Angst statt mit
Freude. Zwar wird diese
Strategie mittelfristig dazu
führen, dass die USA sich in
irgendeiner kriegerischen Art
und Weise "mächtig" fühlen
dürfen, jedoch wird die wahre
Basis des Landes zerstört.
So spielen die USA ab jetzt in
der Liga der mittelmäßigen
Wadenbeißer mit, die zwar viel
Schaden anrichten können, die
aber keine zivilisatorische
Leuchtturmfunktion haben.
Und damit sind die USA in
absehbarer Zeit keine
Weltmacht mehr.
Gefühle und Physis
Und da ist noch ein weiterer
Elefant im Raum:
Immer wieder erlebe ich es,
dass irgendeine körperliche
Lästigkeit (wie z.B. letzthin
eine Krankheit) direkt meine
Gedankenwelt beeinflusst. Dann
kommen pessimistische Gedanken
auf, ich mache mir Sorgen um
dies und jenes und gebe in der
Folge auch negative Äußerungen
von mir.
Gleichzeitig beobachte ich
auch, dass dieser Veränderung
der Gedanken in Wirklichkeit
etwas anderes voraus geht:
eine Veränderung meiner
Gefühle. Pessimismus und Angst
sind ja primär Gefühle, keine
Gedanken. Die kommen erst
danach, als "pessimistische
Gedanken", "Sorgen" usw..
Der springende Punkt dabei
ist: Zuerst kommen die Gefühle
und dann kommen die
entsprechend eingefärbten
Gedanken. Und den Gefühlen
wiederum ist die physische
Veränderung vorgeschaltet
(Beispiel Krankheit).
"Ich" bin bei dieser
Betrachtungsweise eine Abfolge
von physischen Veränderungen,
dadurch ausgelösten Gefühlen
und Gedanken, die am Ende
Taten bewirken können.
Gedanken
sind Worte
Den gestrigen Eintrag muss
ich korrigieren bzw.
ergänzen:
Gedanken sind Worte. Die
Software meines Verstandes
ist die Sprache. Wenn meine
Gedanken sich auf sinnvolle
Weise entwickeln, dann
bedienen sie sich der
Sprache. Aber auch wenn
meine Gedanken sinnlos
kreisen, dann verwenden sie
für ihr Geplapper die
Sprache. Ich kann sie (z.B.
beim Meditieren) als Worte
wahrnehmen. Und deshalb
könnte man hier einen neuen
Begriff einführen:
Gedankenworte.
Diese Erkenntnis erscheint
mit gerade wie der Elefant,
der im Raume steht. Die
einzige Unterscheidung, die
es hier noch gibt, ist die
zwischen unausgesprochenen
Worten und ausgesprochenen
Worten. Letztere sind den
Taten zuzuordnen, erstere
den Gedanken.
Die Korrektur sieht
folglich so aus:
Gedanken und Worte sind das
Gleiche. Sie sind aus dem
gleichen Holz geschnitzt:
der Sprache. Gedankenworte
können Taten bewirken. Taten
sind dann umgesetzte
Gedankenworte.
Lüge
Gedanken werden zu Worten,
Worte werden zu Taten.
Taten sind materialisierte
Worte, Worte sind
ausgesprochene Gedanken.
Lüge entsteht da, wo diese
Abfolge aus irgendeinem
Grund gestört ist. Etwa weil
äußere Zwänge die Tat
verhindern, weil Mundverbote
die Aussprache
verunmöglichen, weil eine
Flut von Ablenkungen den
Gedankengang stört. Lüge
heißt demnach also
gleichermaßen die Lüge des
Selbstbetrugs durch
Gedanken, die Lüge durch
falsch verwendete Worte, die
Lüge der unreflektierten
Tat.
Menschen, denen dies
geschieht, sehe ich immer
besser an, wie es um sie
steht. Das betrifft
Arbeitskolleginnen genau so
wie Präsidenten von großen
Ländern, den Bäcker an der
Ecke oder einen so genannten
"spirituellen Lehrer". Ich
erkenne einfach, dass es da
einen Knacks in der
genannten Abfolge gibt,
offensichtliche Widersprüche
im Dasein.
Erkennen kann ich es nur
deshalb, weil diese
störanfällige Abfolge auch
in mir selbst abläuft -
inklusive eingebauter
Disharmonien, sprich: Lügen.
Ausmaß und Relevanz von
Lügen unterscheiden sich
aber sehr von Tag zu Tag und
eben auch von Mensch zu
Mensch. Und diesen
Unterschied sollte ich immer
im Auge behalten. Es ist
nämlich durchaus etwas
anderes, ob mein Bankier
vertrauenswürdig ist (oder
nicht) oder die
Sitznachbarin im Bus.
Zumindest in der Regel.
Buße
In dem Buch über den
Talmud, das ich gerade lese,
wird immer wieder die
Notwendigkeit hervorgehoben,
Buße zu tun. Alte Bücher,
altmodische Sprache.
Gemeint ist damit aber
nicht, bei einem Fehltritt
in Sack und Asche zu gehen
und sich zu ducken wie ein
geprügelter Hund. Gemeint
ist vielmehr, den Fehltritt
überhaupt als solchen
anzuerkennen. Der Rest, also
das, was man Läuterung oder
Heilung nennen könnte, kommt
von alleine. Mitunter sogar
im selben Augenblick.
Meister
Gestern lernte ich einen echten Meister kennen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Bislang kannte ich lediglich einen anderen Meister, nämlich A..
Menschen dieser Art erkennt man daran, dass sie ihre Arbeit mit Ernsthaftigkeit angehen - und dass sie den anderen Menschen mit Brüderlichkeit begegnen ohne ihre Freiheit aufzugeben. Sie beherrschen sich selbst und wirken darin als Vorbilder. Sie sind lebendig durch und durch, und können lachen und schimpfen, dass die Wände wackeln - und alles dazwischen auch. Ihr Handwerk beherrschen sie perfekt - sei es als Elektroingenieur, Gärtner, Wirt.
Wie wohltuend anders sind sie als jene selbst ernannten Meister im Internet, die den Menschen dieses Planeten durch Eigenlob Kompetenzen vorgaukeln, ihnen Verhaltensweisen nahelegen und sogar politische Botschaften (zumeist autoritärer Natur) ins Ohr träufeln. Ich erkenne sie oft schon an ihrem hämischen Gehüstel, das sie selbst wohl als Lachen verstanden wissen wollen. Influencer.
In mir selbst erzeugt die Begegnung mit einem echten Meister die Rückbesinnung auf das Lebendige in mir - auf die Notwendigkeit mithin, keine Minute meines Lebens zu verschwenden.