Einschau Blog




Traum vom Vertrauen

Ich befinde mich (zusammen mit M.) in einem Flugzeug. Es ist kein gewöhnliches Flugzeug, eher eine Wohnung, eine sehr große Wohnung. Wir befinden uns auf einem Langstreckenflug, der uns in ein fernes Land, zu einem neuen Wohnort bringt. Wir sind die einzigen an Bord und ganz auf uns alleine gestellt. Bei mir stellt sich ein zwiespältiges Gefühl ein:

Es ist mir einerseits unwohl dabei, dass es in dieser Situation nur uns und das Flugzeug gibt, das selbstständig zu fliegen scheint. Wir haben keine Möglichkeit, das Flugzeug zu lenken oder zu beeinflussen.

Andererseits verspüre ich ein sehr tiefes Urvertrauen, dass alles gut so ist, wie es ist, und dass das Flugzeug uns sicher an unseren Bestimmungsort bringen wird. Dieses Urvertrauen erreicht seinen Höhepunkt, als ich bemerke, dass wir bereits landen und aus dem Fenster Lichter unserer Zielstadt erblicke. Freude stellt sich ein.

...

Das Flugzeug steht für die "Reise des Lebens", also für das Lebens selbst. Der Traum behandelt das Thema der Angst angesichts von Entwicklungen, die ich nicht beeinflussen kann, die aber dennoch existenziell sind. Dazu zählen etwa weltpolitische Verwerfungen, alltägliche Bedrohungen bis hin zu gesundheitlichen Gefahren wie Krankheiten und auch die Aussicht darauf, alt und gebrechlich zu werden.

Die meisten dieser Dinge kann ich nicht verändern oder beeinflussen. Deshalb ist es müßig, dagegen anzukämpfen - und davor Angst zu haben. Was mir bleibt, ist auf das Urvertrauen ins Leben selbst zu setzen.



Der Niedergang einer Weltmacht

Geradezu im Zeitraffer kann man in diesen Tagen den Niedergang der größten Weltmacht der Gegenwart beobachten. Es ist eine wirklich spannende Zeit!

Die Rede ist natürlich von den USA, die gerade dabei sind, ihre Macht zu verspielen. Dies ist vor Allem deshalb möglich, weil die entscheidenden Akteure in diesem Land ganz offensichtlich nicht verstanden haben, worauf die Sonderstellung ihres Landes in der Welt während der letzten Jahrzehnte wirklich beruhte.

Offensichtlich wird da geglaubt, es wären in erster Linie militärische und wirtschaftliche Fähigkeiten gewesen, die den USA die Vormachtstellung ermöglicht hätten. Und ja: In gewisser Weise spielten (und spielen) diese Dinge eine Rolle bei der Machtausübung. Aber beide sind lediglich Werkzeuge und keine Ursachen, beruhen sie ihrerseits noch auf etwas ganz Anderem, viel Wichtigerem:

Seit Jahrhunderten waren die USA mit ihrem Versprechen von Freiheit, Recht und Toleranz der große Leuchtturm für alle Gedemütigten, Verfolgten, Tyrannisierten aber auch Kreativen, Unternehmungslustigen, Optimisten dieser Welt. Sie zog es in die USA und sie waren es, die mit Ihrer Begeisterung für diese Gesellschaft dazu beitrugen, die amerikanische Wirtschafts- und dann auch Militärmacht aufzubauen.

Ebenso war es pure Sympathie für das amerikanische Gesellschaftsmodell, welche die USA zum Vorbild jener Leute in fast allen Ländern der Welt werden ließen, die zwar nicht dorthin auswanderten, jedoch die amerikanischen Ideale in ihren jeweiligen Ländern zu leben versuchten. Damit prägten sie ihre Länder im amerikanischen Sinne.

Gleichzeitig verstanden es die USA stets, als verlässlicher Vertragspartner zu gelten und auf diese Weise Allianzen der Rechtmäßigkeit zu schmieden - Allianzen, die es den USA ermöglichten, den Planeten zu führen ohne ihn zu kujonieren.

In dieser Weise ent- und bestand das amerikanische Imperium aus Menschen und Völkern, die den USA bzw. ihrem Gesellschaftsmodell aus Sympathie und Freundschaft folgten und es weitertrugen.

So, und nur so wurden die USA zur Weltmacht.

Und das ändert sich gerade ganz gehörig:

Angeführt von einem überforderten Präsidenten schlagen sich die USA derzeit auf die Seite jener Länder, die mit Gewalt statt mit Respekt "herrschen" wollen, mit Engstirnigkeit statt mit Kompromiss, mit Angst statt mit Freude. Zwar wird diese Strategie mittelfristig dazu führen, dass die USA sich in irgendeiner kriegerischen Art und Weise "mächtig" fühlen dürfen, jedoch wird die wahre Basis des Landes zerstört.

So spielen die USA ab jetzt in der Liga der mittelmäßigen Wadenbeißer mit, die zwar viel Schaden anrichten können, die aber keine zivilisatorische Leuchtturmfunktion haben.

Und damit sind die USA in absehbarer Zeit keine Weltmacht mehr.



Gefühle und Physis

Und da ist noch ein weiterer Elefant im Raum:

Immer wieder erlebe ich es, dass irgendeine körperliche Lästigkeit (wie z.B. letzthin eine Krankheit) direkt meine Gedankenwelt beeinflusst. Dann kommen pessimistische Gedanken auf, ich mache mir Sorgen um dies und jenes und gebe in der Folge auch negative Äußerungen von mir.

Gleichzeitig beobachte ich auch, dass dieser Veränderung der Gedanken in Wirklichkeit etwas anderes voraus geht: eine Veränderung meiner Gefühle. Pessimismus und Angst sind ja primär Gefühle, keine Gedanken. Die kommen erst danach, als "pessimistische Gedanken", "Sorgen" usw..

Der springende Punkt dabei ist: Zuerst kommen die Gefühle und dann kommen die entsprechend eingefärbten Gedanken. Und den Gefühlen wiederum ist die physische Veränderung vorgeschaltet (Beispiel Krankheit).

"Ich" bin bei dieser Betrachtungsweise eine Abfolge von physischen Veränderungen, dadurch ausgelösten Gefühlen und Gedanken, die am Ende Taten bewirken können.



Gedanken sind Worte

Den gestrigen Eintrag muss ich korrigieren bzw. ergänzen:

Gedanken sind Worte. Die Software meines Verstandes ist die Sprache. Wenn meine Gedanken sich auf sinnvolle Weise entwickeln, dann bedienen sie sich der Sprache. Aber auch wenn meine Gedanken sinnlos kreisen, dann verwenden sie für ihr Geplapper die Sprache. Ich kann sie (z.B. beim Meditieren) als Worte wahrnehmen. Und deshalb könnte man hier einen neuen Begriff einführen: Gedankenworte.

Diese Erkenntnis erscheint mit gerade wie der Elefant, der im Raume steht. Die einzige Unterscheidung, die es hier noch gibt, ist die zwischen unausgesprochenen Worten und ausgesprochenen Worten. Letztere sind den Taten zuzuordnen, erstere den Gedanken.

Die Korrektur sieht folglich so aus:

Gedanken und Worte sind das Gleiche. Sie sind aus dem gleichen Holz geschnitzt: der Sprache. Gedankenworte können Taten bewirken. Taten sind dann umgesetzte Gedankenworte.



Lüge

Gedanken werden zu Worten, Worte werden zu Taten.

Taten sind materialisierte Worte, Worte sind ausgesprochene Gedanken.

Lüge entsteht da, wo diese Abfolge aus irgendeinem Grund gestört ist. Etwa weil äußere Zwänge die Tat verhindern, weil Mundverbote die Aussprache verunmöglichen, weil eine Flut von Ablenkungen den Gedankengang stört. Lüge heißt demnach also gleichermaßen die Lüge des Selbstbetrugs durch Gedanken, die Lüge durch falsch verwendete Worte, die Lüge der unreflektierten Tat.

Menschen, denen dies geschieht, sehe ich immer besser an, wie es um sie steht. Das betrifft Arbeitskolleginnen genau so wie Präsidenten von großen Ländern, den Bäcker an der Ecke oder einen so genannten "spirituellen Lehrer". Ich erkenne einfach, dass es da einen Knacks in der genannten Abfolge gibt, offensichtliche Widersprüche im Dasein.

Erkennen kann ich es nur deshalb, weil diese störanfällige Abfolge auch in mir selbst abläuft - inklusive eingebauter Disharmonien, sprich: Lügen.

Ausmaß und Relevanz von Lügen unterscheiden sich aber sehr von Tag zu Tag und eben auch von Mensch zu Mensch. Und diesen Unterschied sollte ich immer im Auge behalten. Es ist nämlich durchaus etwas anderes, ob mein Bankier vertrauenswürdig ist (oder nicht) oder die Sitznachbarin im Bus. Zumindest in der Regel.



Buße

In dem Buch über den Talmud, das ich gerade lese, wird immer wieder die Notwendigkeit hervorgehoben, Buße zu tun. Alte Bücher, altmodische Sprache.

Gemeint ist damit aber nicht, bei einem Fehltritt in Sack und Asche zu gehen und sich zu ducken wie ein geprügelter Hund. Gemeint ist vielmehr, den Fehltritt überhaupt als solchen anzuerkennen. Der Rest, also das, was man Läuterung oder Heilung nennen könnte, kommt von alleine. Mitunter sogar im selben Augenblick.



Meister

Gestern lernte ich einen echten Meister kennen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Bislang kannte ich lediglich einen anderen Meister, nämlich A..

Menschen dieser Art erkennt man daran, dass sie ihre Arbeit mit Ernsthaftigkeit angehen - und dass sie den anderen Menschen mit Brüderlichkeit begegnen ohne ihre Freiheit aufzugeben. Sie beherrschen sich selbst und wirken darin als Vorbilder. Sie sind lebendig durch und durch, und können lachen und schimpfen, dass die Wände wackeln - und alles dazwischen auch. Ihr Handwerk beherrschen sie perfekt - sei es als Elektroingenieur, Gärtner, Wirt.

Wie wohltuend anders sind sie als jene selbst ernannten Meister im Internet, die den Menschen dieses Planeten durch Eigenlob Kompetenzen vorgaukeln, ihnen Verhaltensweisen nahelegen und sogar politische Botschaften (zumeist autoritärer Natur) ins Ohr träufeln. Ich erkenne sie oft schon an ihrem hämischen Gehüstel, das sie selbst wohl als Lachen verstanden wissen wollen. Influencer.

In mir selbst erzeugt die Begegnung mit einem echten Meister die Rückbesinnung auf das Lebendige in mir - auf die Notwendigkeit mithin, keine Minute meines Lebens zu verschwenden.